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«Zmitts us em Alltag erzellt» - «Zmitts us em Autag verzeut»

Mi, 29. Jan. 2020
Alt Regierungsstatthalter Markus Grossenbacher.

HASLE B. B.: Alt Regierungsstatthalter Markus Grossenbacher, Koppigen, berichtete am 22. Januar 2020 auf Einladung der ref. Kirchgemeinde Hasle und des Teams 60Plus! aus seinem vergangenen bewegten Berufsalltag. ra 

«Wir sind alle tief beeindruckt und bewegt von dem, was du uns heute erzählt hast aus deiner Zeit als Regierungsstatthalter im Verwaltungskreis Emmental», fasste Stephan Sauter, Sozialdiakon, an Markus Grossenbacher gewandt, zusammen. Die reformierte Kirchgemeinde Hasle b. B. und das Team 60Plus! hatten den heute in Koppigen Wohnhaften am 22. Januar 2020 für ein Referat mit dem Titel «Zmitts us em Alltag erzellt» oder eben «Zmitts us em Autag verzeut» im Bistro C beim Kirchgemeindehaus Hasle b. B. gewinnen können. Keinem Zuhörenden im Saal war vor dem Vortrag bewusst, wie vielfältig die Aufgaben eines Regierungsstatthalters sein können und wie gross die Verantwortung ist, die es in diesem Amt zu tragen gilt.

Schloss Trachselwald und Amtshaus Langnau i. E.
«Das hier waren meine zwei Arbeitsorte als Regierungsstatthalter: das Schloss Trachselwald und später das Amtshaus in Langnau i. E., in welchem ich ab
1. Januar 2010 bis im August 2016 tätig war», liess er zu den eingeblendeten Fotoaufnahmen verlauten. Aufgewachsen ist Grossenbacher in Affoltern i. E. mit sieben Geschwistern – «eigentlich wären wir neun Kinder gewesen», so der Referent, aber der ältere Bruder ist kurz nach der Geburt gestorben. Seine Eltern waren gläubige Menschen. Dem Rat des Arztes, von einer weiteren Schwangerschaft abzusehen, folgten sie nicht. «Du bisch die ringschti Geburt gsi, wo ig ha gha vo dene nüün», habe ihm seine Mutter später erzählt. – Grossenbacher besuchte in Affoltern i. E. während neun Jahren die Primarschule. Für die Sekundarschule reichte es beim ersten Versuch nicht – auf einen zweiten habe er verzichtet. Im Anschluss startete er eine Weiterbildungsschule in Langenthal mit dem Ziel «Lehrerseminar». Da einer seiner Brüder, der Bauer werden wollte, dieses Ziel aufgeben musste, habe er die Schule in Langenthal abgebrochen und sei voller Enthusiasmus im elterlichen Betrieb als Landwirt gestartet. Im Alter von zwanzig Jahren musste auch er aus gesundheitlichen Gründen den Fokus neu ausrichten.

Verwaltungslehre und Gemeindeschreiberschule
Von 1971 bis 1974 absolvierte Markus Grossenbacher die Verwaltungslehre in der Gemeindeschreiberei Dürrenroth. Ab 1974 folgte die höhere Gemeindeschreiberschule in Bern. «Damals konnte man das noch», meinte er zu diesem «nahtlosen» Übergang. Bereits 1977 war er diplomierter Gemeindeschreiber. Nach einem Abstecher nach Sumiswald war er ab 1. Mai 1980 bis 1997 Gemeindeschreiber in Dürrenroth. «Da war man alles: Finanzverwalter, Gemeindeschreiber, Pferdekontrollführer, Fürsorgesekretär und vieles andere mehr», liess er wissen. 1996 sei er für die Kandidatur zum Regierungsstatthalter des Amtes Trachselwald angefragt worden. Er wurde gewählt und startete sein Amt im Oktober 1997 – im wunderschönen Schloss Trachselwald – genau zu der Zeit, als die Verwaltungsreform losging. Sie sei bei seinem Start bereits andiskutiert gewesen. Von 2008 bis 2012 war Grossenbacher Vorsitzender der bernischen Regierungsstatthalter und begleitete die ganze Reform mit dem Wechsel von Trachselwald nach Langnau i. E.

Vielfältiges Aufgabengebiet
Der Verwaltungskreis Emmental umfasst 40 politische Gemeinden. Die Einwohnerzahl beträgt 100 000 Personen. Der südlichste Ort ist Schangnau, der nördlichste Zielebach. Zu den Aufgaben des Regierungsstatthalters gehören die Vertretung der Regierung im Amtsbezirk, die Aufsicht der Gemeinden (Überprüfung Gemeinden, Burger-, Kirchgemeinden, Gemeindeverbände, Schwellenkorporationen, aufsichtsrechtliche Anzeigen, amtliche Untersuchungen), Koordinationsaufgaben (Gemeindereformen, Asylwesen, Bevölkerungsschutz, Sozialdienste, Feuerwehr, Baubewilligungs- und Planungsverfahren), Katastrophenbewältigung, Beratertätigkeit u. a. Das Regierungsstatthalteramt ist Bewilligungsbehörde (Baubewilligungsverfahren, bäuerliches Bodenrecht, Erwerb von Grundstücken durch Ausländer, Gastgewerbebewilligungen u. a.) und Verwaltungsjustizbehörde (bei Sozialhilfebeschwerden, Beschwerden gegen Beschlüsse von Gemeindeorganen, in Klageverfahren).

Katastrophenbewältigung
Was die Zuhörenden im Bistro C vom Vortrag von Markus Grossenbacher vor allem mit nach Hause nahmen, waren die zahlreichen Erlebnisse, von welchen er berichtete. Die Unwetter im 2007 in Eriswil, Huttwil, Wyssachen, Sumiswald, Rohrbach und Kleindietwil, das Unwetter vom 4. Juli 2012 in Bumbach, die Unwetter in Schangnau im Juli 2014, die zahlreichen Brandfälle: Die schrecklichen Bilder lassen einen nicht so schnell los. «Es tuet de Lüt guet, we me Aateil nimmt a ihrem Schicksal, we me ihne z spüre git: mir häufe öich. Mir ungerstütze öich.» Erwähnt sei hier nur das Beispiel von Schangnau, als Grossenbacher und alt Bundesrat Johann Schneider-Ammann, die beide in Affoltern i. E. zur Schule gingen, einen schwer Unwetterbetroffenen in ihre Mitte nahmen und ihm Zuversicht schenkten. «Eifach chönne zuelose», diese Fähigkeit sei ihm oft verdankt worden, war von Markus Grossenbacher zu vernehmen. Sein Beruf sei für ihn Berufung gewesen: «I miechs grad wieder.» Man glaubt es ihm aufs Wort.

Barbara Schwarzwald 

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