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«Burgdorf muss sich mit Ganztagsschulen auseinandersetzen»

| Mi, 18. Mär. 2020

BURGDORF: Anna Müller, die erste Leiterin Volksschule Burgdorf, geht in Pension. D'REGION spach mit ihr den Antritt einer neu geschaffenen Stelle und wie sich das Schulsystem in Burgdorf entwickelt. red

Vor fünf Jahren wurde in Burgdorf ein neues Amt geschaffen: Leiter/Leiterin Volksschule Burgdorf. Anna Müller wurde als Erste in dieses Amt gewählt und wird nun diesen Sommer aufgrund ihrer Pensionierung von Katrin Kurtogullari-­Rentsch abgelöst.
Mit der Teilrevision des Volksschulgesetzes 2008 (REVOS 2008) haben die Bedeutung der Steuerung der Schulen und die Professionalisierung der Schulführung zugenommen. Ziel war auch, dass die Volksschulen koordinierter ablaufen und die Schulen näher zu den Gemeinden rücken. Für die Schulkommission (in Burgdorf die sogenannte Volksschulkommission) als Laienbehörde wurde die Arbeit so aber zu komplex und zu zeitintensiv. So übernahm Anna Müller 2016 den neu geschaffenen Posten und damit auch einige Aufgaben der Burgdorfer Volksschulkommission. Zum Aufgabenbereich der Leitung Volksschule Burgdorf gehören unter anderem die Personalführung der Schulleitung (etwa Anstellung und Führungsgespräche), die Leitung der Schulleitungskonferenz, die Verwaltung des Globalbudgets, die Koordination der Volksschulen, der Beisitz in der Volksschulkommission und mehr.

Einstieg in eine neue Stelle
Anna Müller konnte als ehemalige Primarlehrerin und Schulleiterin der Primarschule Lindenfeld bereits viel Erfahrung mit dem Schulsystem mitbringen; doch wie bewältigt man den Einstieg in eine komplett neu geschaffene Stelle? «Da ich während meiner Zeit als Schulleiterin zuerst die Co-Leitung und später die alleinige Leitung der Schulleitungskonferenz innehatte, war ich in einen Teil der Aufgaben bereits hineingewachsen. Im Personalbereich hatte ich auch einige Ideen und wusste, was mir wichtig ist. Ich kenne aber keine Gemeinde, die das gleiche System hat wie wir hier in Burgdorf. So habe ich Gespräche mit Personen mit ähnlichen Aufgaben in ähnlich grossen Gemeinden geführt und danach in Burgdorf selber alles zusammengestellt. Ich bin sehr dankbar über die offenen Türen und die Hilfsbereitschaft, die mir entgegengebracht wurde.» Den Schritt aus dem Klassenzimmer vermisse sie zwar nicht, doch betont Anna Müller auch, dass ihr der Lehrerberuf nie verleidet sei. «Ich habe nach einer neuen Herausforderung gesucht und mich gefragt ‹Was könnte ich jetzt machen?›. Der Wechsel in eine Leitungsfunktion schien mir einfach folgerichtig. Ich bin der Stadt Burgdorf auch sehr dankbar, dass ich mit 50 Jahren noch die Stelle als Schulleiterin und mit 60 die Stelle als Leiterin Volksschule Burgdorf annehmen konnte.»
Klar ist auch, dass es bei einer neu geschaffenen Stelle noch zu einigen Feinjustierungen gekommen ist. So wird die Nachfolgerin von Anna Müller mit einem Pensum von 80 Prozent statt wie zuvor mit 70 Prozent angestellt.

Die Schulkommissions-«Krise»
Zu Beginn habe es mit der Rollenverteilung zwischen ihrem Posten als Leiterin Volksschule und der Volksschulkommission noch etwas «geholpert», wie Anna Müller berichtet. Die Schulleitung war früher der Volksschulkommission unterstellt und diese somit auch operativ involviert gewesen. So kam es sogar zur Diskussion, ob die Volksschulkommission abgeschafft werden soll. An der Stadtratssitzung im September 2019 («D’REGION» berichtete) wurde mit der Totalrevision 2019 des Reglements über die Volksschule und schulergänzende Angebote beschlossen, dass die Volksschulkommission beibehalten werde, weiterhin eine stadträtliche Kommission bleiben und vor allem strategische Aufgaben wahrnehmen soll. Auch Anna Müller äussert sich froh darüber, dass die Volksschulkommission weiter besteht: «Die Kommission ist ein wichtiges Instrument zum Austausch mit den Parteien und den Gemeindevertretern über Ausrichtung und Entwicklung der Volksschule.» Auch bei schwerwiegenden disziplinarischen Massnahmen ist weiterhin die Volksschulkommission involviert, so werden etwa Meldungen an die KESB direkt vom Präsidenten der Volksschulkommission unterschrieben. Auch das befürwortet die Leiterin Volksschule Burgdorf: «Wenn die Kommission Verantwortung für die Schule trägt, dann muss sie auch wissen, wann es eskaliert.» Generell zeigt sie sich sehr zufrieden mit der momentanen Situation. «Die Stadt Burgdorf setzt konsequent das um, was sie will», so Müller. «Sie leistet damit  Pionierarbeit im Kanton.» Besonders lobt sie auch die produktive Zusammenarbeit in der Schulleitungskonferenz: «Die Schulleitungskonferenz ist eigentlich das zentrale Leitungsgremium der Burgdorfer Schulen. Alle sind sehr engagiert und um einen zielführenden Konsens bemüht. Diese konstruktive Arbeit ist grossartig.»

Ganztagsschulen in Burgdorf?
Anna Müller sprach auch über den Entwicklungsbedarf des Schulsystems in Burgdorf. Zu den brennendsten Themen gehören die Tagesschulen, welche in der Nähe von drei der fünf Volksschulstandorten von Burgdorf betrieben werden. Es stellt sich die Frage, ob bei jedem Standort auch ein Tagesschulangebot zur Verfügung gestellt werden soll. «Momentan ist es für einige Kindergärteler eine grosse Herausforderung, mehrmals am Tag den Standort zu wechseln. In nächster Zeit muss sich die Stadt Burgdorf mit dem Thema einer Ganztagsschule auseinandersetzen. Dort wären Unterricht und Betreuung sehr nahe beieinander und dies mit deutlich weniger wechselndem Personal. Somit könnten die Kinder auch bessere Beziehungen zu Lehr- und Betreuungspersonen aufbauen», erklärt Anna Müller. «Schon jetzt möchten Eltern ein Arrangement, das einer Ganztagsschule nahe kommt, und sind froh, wenn Kindergarten und Tagesschule nahe beieinander liegen.»

David Kocher

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