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Jeder kann ein Herzog sein

| Di, 16. Jun. 2020

BURGDORF: Mit dem «Schloss für alle» wird Burgdorf zum Juwel in der Schweizer Kulturlandschaft. zvg

Besonders in Bezug auf die «Solätte» und die «Tradition», dass an diesem Feiertag in Burgdorf praktisch immer die Sonne scheint, hört man oftmals den Satz «Gott muss ein Burgdorfer sein». Obwohl die Solennität dieses Jahr abgesagt werden musste, fand 2020 trotzdem ein immens  wichtiges Ereignis für die Zähringerstadt statt – sozusagen ein kulturelles Erdbeben: Wir reden hier natürlich von der Neueröffnung des Schlosses Burgdorf, dem «Schloss für alle», das nun nach mehrjährigen Renovations- und Umbauarbeiten endlich wieder seine Tore für die Öffentlichkeit geöffnet hat. Im Kreis geladener Gäste wurde das Schloss Burgdorf offiziell am vergangenen Freitag, 12. Juni 2020, eröffnet und siehe da: Inmitten einer Woche voller Wolken und Regen schien plötzlich die Sonne und tauchte das Schloss und Burgdorf in wohlig-warmen Sonnenschein.

Eröffnung im kleinen Rahmen
Dr. Markus Meyer (Präsident der Stiftung Schloss Burgdorf), Rolf Grossenbacher (Atelier G+S Architekten und Planer AG), Daniel Furter (Museumsleiter Schloss Burgdorf), Janine Bunte (CEO Schweizer Jugendherbergen) und der Burgdorfer Stadtpräsident Stefan Berger begrüssten im Assisensaal des Schlosses die anwesenden Journalisten, mit dabei sogar Vertreter aus der Westschweiz, um die offizielle Eröffnung einzuläuten. «Heute ist ein Freudentag», brachte es Dr. Markus Meyer auf den Punkt. Aber eigentlich wäre ja viel mehr geplant gewesen: Ein zweitägiges Stadtfest mit umfangreichem Programm hätte die Eröffnung eigentlich begleiten sollen, doch machte das Coronavirus auch diesen Festlichkeiten einen Strich durch die Rechnung. «Das ist zwar ein Wermutstropfen, doch in der über 800-jährigen Geschichte des Schlosses Burgdorf ist der heutige Tag ein unglaublicher Meilenstein», so Dr. Markus Meyer über die Neueröffnung. Nichtsdestotrotz konnten interessierte Personen am Samstag und Sonntag das fertiggestellte Schloss besichtigen, lediglich ein kostenloses Ticket, um aufgrund der COVID-19-Einschränkungen überfüllte Räumlichkeiten zu verhindern, war nötig. Das Interesse war aber so gross, dass die Tickets bereits innert kürzester Zeit alle vergeben waren. Somit kamen am Samstag und Sonntag jeweils rund 1000 Personen in den Genuss, das neue Schloss zu besuchen. Wie das Schloss Burgdorf am Montagmorgen mitteilte, freute man sich sehr über die unzähligen positiven Reaktionen.

Ein Ort, den man gerne besucht
Für Dr. Markus Meyer ist es besonders wichtig, dass man heute nicht mehr aufs Schloss gehen «muss» (so waren früher im Schloss Burgdorf unter anderem Gericht wie auch Gefängnis einquartiert), sondern dass es zu einem Ort geworden ist, den man gerne besucht. Auch Rolf Grossenbacher, Geschäftsleiter der Atelier G+S Architekten und Planer AG, ist voll des Lobes für das Schloss Burgdorf: «Es ist unser bisher kompliziertestes Projekt, aber auch das, das am schnellsten vorangeschritten ist.» Stefan Berger ist sich ebenfalls sicher: «Das Schloss war noch nie so gastfreundlich wie jetzt.» Und wer das Schloss Burgdorf bereits besuchen konnte, der weiss, dass die Lobeshymnen der Verantwortlichen keinesfalls übertrieben sind.
Das Museum Schloss Burgdorf konnte mit dem Umbau seine Ausstellungsfläche etwa verdoppeln und, wie Dr. Markus Meyer scherzend ergänzt, die Qualität vervielfachen. Die drei Sammlungen (Historische Sammlung des Rittersaalvereins, Ethnologische Sammlung und Sammlung der Goldkammer Schweiz) wurden mit einem gemeinsamen Konzept verbunden und nach bestimmten Themen zusammen ausgestellt. «Das ganze Schloss ist zu einer grossen Wunderkammer geworden», freut sich Museumsleiter Daniel Furter. «Das Schloss Burgdorf bietet nun ein einzigartiges Gesamterlebnis, welches es so nirgends sonst in der Schweiz gibt.» Wer im Schloss Burgdorf übernachtet, erhält den Museumseintritt gratis dazu.
Apropos übernachten: Auch für die Schweizer Jugendherbergen geht mit dem Schloss Burgdorf ein Traum in Erfüllung. «Es ist eine Ehre, dass das Schloss zu unseren Betrieben dazukommt, und auch eine Verantwortung», zeigt sich Janine Bunte, CEO Schweizer Jugendherbergen, gerührt. In 31 Zimmern (mit gesamthaft 115 Betten) können Gäste im Schloss logieren. Es stehen sowohl Doppel- wie auch Mehrbettzimmer zur Auswahl. «Mit dem Schloss Burgdorf wurde die Schweizer Kulturlandschaft um ein Juwel erweitert und wird zu einem ‹Muss› für Schweizreisende», ist sich Janine Bunte über die Ausstrahlung des Schlosses sicher. Wer sich die Jugi-Zimmer genauer anschaut, der merkt, dass es sich dabei wortwörtlich um Geschichte zum Anfassen handelt. Die Zimmer sind jeweils zu einem Thema gestaltet, so ist etwa im «Radio­zimmer» ein altes Radio vorzufinden. Noch spannender sind die Geschichten der Zimmer selbst: Einige Zimmer nutzte man früher als Gefängniszellen und ganz gezielt wurden beim Umbau spezifische Besonderheiten bewahrt. Keine Angst, nicht die Gitterstäbe! Viel mehr sind in einigen Zimmern noch Kritzeleien und Zeichnungen der ehemaligen Insassen zu finden. Eine so spannende Übernachtungsmöglichkeit, welche mit noch mehr Geschichte und Leben gefüllt ist, ist wahrlich schwer zu finden.
Auch das gemütliche Restaurant wird sicherlich zahlreiche Gäste in die fast 800-jährigen Mauern locken.
Ob Gott nun tatsächlich ein Burgdorfer ist oder nicht, sei dahingestellt. Sicher ist aber, dass alle Burgdorfer (und auch alle anderen Besucher) beim Erkunden des Schlosses Burgdorf – wenn auch nur für kurze Zeit – zu wahren Herzögen werden.

David Kocher

 

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