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Karl Schenk (1905–1973) – ein begnadeter Maler und Bildhauer

| Do, 18. Jun. 2020

FRAUBRUNNEN: Das Museum im Schloss Fraubrunnen lädt dazu ein, das vielseitige Lebenswerk des produktiven Künstlers zu erkunden und zu bestaunen. zvg

Ach, schon wieder ein Bericht über ein Museum oder einen unbekannten Künstler … denken Sie vielleicht und springen zum nächsten Artikel über. Aber es lohnt sich, diesen Bericht zu lesen, um einen interessanten Künstler kennenzulernen.
Karl Schenk war zum einen Maler, zum andern ein begnadeter Bildhauer. Wer seine Werke anschaut, spürt, wie sich Grashalme bewegen, hört Jodler singen, sieht lebendige Situationen, riecht die Blumenwiese, schmeckt die Milch in der Tasse ... kurz gesagt, man fühlt sich mitten im Geschehen.
1905 in Bern geboren, hat Karl Schenk schon als Kind talentiert gemalt. Auf Druck des Vaters musste er jedoch Grabsteinhauer lernen, besuchte aber heimlich anatomische Studien bei Professor Strasser (Mediziner an der Uni Bern). Nach seiner Lehre als Bildhauer führten ihn und seine Frau Aus- und Weiterbildungen nach Paris, von wo er mit rund 400 Zeichnungen zurückkehrte. Er blieb der Stadt Bern und deren Umgebung bis zu seinem Tod 1973 treu. Seine Werke sind jedoch in der ganzen Schweiz anzutreffen.  

Mit viel Herzblut
Evelyne Germann eröffnete das Karl Schenk Museum im März 2019 im Schloss Fraubrunnen und führt es mit viel Herzblut. Sie war eng mit Schenks Tochter Kathryn befreundet. Diese wollte das Lebenswerk ihres Vaters erhalten und in der Öffentlichkeit bekannt machen. Leider verstarb sie im Winter 2018 unerwartet. Evelyne Germann führt ihre Arbeit nun weiter und begibt sich in der ganzen Schweiz regelmässig auf die Suche nach Kunstwerken von Karl Schenk. Unzählige Anekdoten kann sie zu einzelnen Bildern erzählen und dank der Zusammenarbeit mit des Künstlers Tochter ist sie bestens über das Leben und Wirken Schenks informiert. Beim Besuch der Zeitung «D’REGION» im Museum erzählt sie, wie viele Leute mittlerweile wissen, dass sie das Werk von Karl Schenk zusammentragen will, und Kunstwerke als Leihgaben mitbringen. Genau dies gibt dem Museum immer wieder ein neues Gesicht. Viele Sitzgelegenheiten laden dazu ein, die Kunstwerke in Ruhe zu betrachten. In einer Ecke des Museums ist das Atelier des Künstlers nachgebildet, sodass man das Gefühl hat, er komme bald wieder und nehme gleich seine Arbeit auf. Seit Kurzem gehört das Karl Schenk Museum zum Verein der Museen im Kanton Bern (mmBE), was Evelyne Germann sehr freut.

Produktiver Künstler
Im Einzugsgebiet dieser Zeitung trifft man ab und zu auf Reliefe oder Figuren von Karl Schenk und in vielen Haushalten finden sich Bilder von ihm. Leider ist den meisten Leuten nicht bewusst, welchen Schatz sie vor sich haben. In Bern und Umgebung sind diverse Skulpturen und Reliefe auf Friedhöfen oder bei «wichtigen» Gebäuden oder Einrichtungen zu bewundern. So findet man auch in Utzenstorf bei den Schulhäusern die Brunnenfigur «Hirtenbub» oder ein Relief beim Brunnen an der Kreuzung Gotthelfstrasse/Turnweg. Für die Einweihung des Gotthelfschulhauses 1956 hat der Künstler neben den beiden oben erwähnten Kunstwerken auch zwei Wandbilder mit dem Rattenfänger von Hameln angefertigt. Diese  sind nun im Museum in Fraubrunnen als Leihgabe ausgestellt. Fotografien dieser Bilder werden diesen Sommer im Museum in Hameln (Deutschland) anlässlich der Ausstellung «pied piper international» gezeigt. Vor Kurzem ist die Bronzebüste von General Guisan im Museum in Fraubrunnen eingetroffen. Sie reiht sich in die Sammlung von Bundesrats-Büsten ein. Ehrlich gesagt, näher kommen Sie keinem Schweizer General oder (verstorbenem) Bundesrat. Der Künstler war äusserst produktiv und so hat auch die Familie Gast aus Utzenstorf mehrere Bilder von ihm. Zwei davon möchte sie der Öffentlichkeit zugänglich machen und brachte diese als Leihgabe vorbei. Evelyne Germann wünscht sich noch viele solcher Begegnungen und fordert alle Gäste, aber auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, auf, mit ihr Kontakt aufzunehmen, wenn Sie im Besitz eines Gemäldes oder einer Skulptur von Karl Schenk sind. So kann ihr Museum weiterbestehen und das Werkverzeichnis vervollständigt werden.
Das Museum im Schloss Fraubrunnen ist jeweils am Freitag- und Samstag­nachmittag zwischen 13.00 und 17.00 Uhr oder nach Voranmeldung geöffnet. Es eignet sich für spontane Besuche wie auch für Gruppenausflüge.

Alexandra Weber

 

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