Swissmade für die ganze Welt
21.01.2026 Burgdorf, Wirtschaft, RegionEva Jaisli ist Verwaltungsratspräsidentin von PB Swiss Tools, Vizepräsidentin von Swissmem, Ehrendoktorin der Universität Bern sowie ehemalige Verwaltungsratspräsidentin des Spitals Emmental. Ausserdem engagiert sich Jaisli in ihrem Unternehmen und darüber hinaus für soziale Themen. In ihrem Referat sprach sie über ihre unternehmerischen Erfahrungen, ihre vielfältigen Aufgaben und über aktuelle wirtschaftliche Herausforderungen aus ihrer Perspektive.
Nach beinahe 30 in der Firma aktiven Jahren kann Jaisli aus einem grossen Erfahrungsschatz schöpfen. Der Vortrag war für die erfolgreiche Unternehmerin gewissermassen ein «Heimspiel», was sich auch in der gut gefüllten Veranstaltung zeigte. Die Unternehmerin trat nicht nur als Geschäftsfrau auf, sondern integrierte mit ihrer herzlichen Art auflockernde biografische Erfahrungen, Anekdoten und viel Humor.
Ein Schwerpunkt des Vortrags lag auf den Schwierigkeiten, mit denen sich exportorientierte KMU derzeit konfrontiert sehen. Jaisli betonte die Bedeutung von Innovationskraft, Engagement und klarer Positionierung in einem zunehmend anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld. Ebenso zentral seien stabile Rahmenbedingungen sowie eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Politik. Besonders wichtig seien Freihandelsabkommen, nicht zuletzt im Hinblick auf eine drohende Verschärfung der industriellen Rezession. Der Erhalt von Arbeits- und Ausbildungsplätzen sei ohne Export kaum möglich.
PB Swiss Tools produziert seit 1878 in Wasen im Emmental Qualitätsprodukte für die Landwirtschaft und für das Handwerk. Während des Zweiten Weltkriegs erlangte das Unternehmen internationale Bekanntheit. Seit den 1970er-Jahren beliefert es Industrien und handwerkliche Betriebe weltweit. Seit 2013 stellt PB Swiss Tools unter dem Namen OPERACE zudem medizinische Instrumente zur Extraktion von Implantaten her. Diese Diversifikation verschafft dem Unternehmen zusätzliche Stabilität. Die Erfolgsstrategie der Firma basiere auf ihrer Kundinnen- und Kundenfokussierung, der Digitalisierung von Lösungen sowie der nachhaltigen Entwicklung. Als einzige Herstellerin von Werkzeugen und medizinischen Instrumenten zugleich ist PB Swiss Tools ein Nischenanbieter und stark auf den Export angewiesen.
Rund zwei Drittel der jährlich etwa 13 Millionen produzierten Werkzeuge werden in 85 Länder exportiert, ein Drittel bleibt im Schweizer Markt. Das Unternehmen unterhält Tochterfirmen in China, den USA und Japan und beschäftigt rund 200 Mitarbeitende, davon etwa ein Drittel Frauen und zehn Prozent Lernende. In deren Ausbildung investiert PB Swiss Tools gezielt, um langfristig Innovation und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Mindestens zweimal jährlich bringt das Unternehmen neue Produkte auf den Markt, aktuell etwa eine neue Schraubenzieher-Linie mit erhöhtem Drehmoment.
Jaisli verwies mehrfach auf die Bedeutung der Firmengeschichte und der vorangegangenen Generationen, betonte aber auch Dialogbereitschaft, Nachhaltigkeit sowie Offenheit gegenüber anderen Kulturen und Meinungen. Der internationale Austausch habe sie persönlich wie unternehmerisch geprägt.
Im Anschluss an den Vortrag stellten Personen aus dem Publikum zahlreiche Fragen, unter anderem zu Jaislis Erfahrungen als Frau in der Industrie. Sie wies darauf hin, dass in der Schweiz nach wie vor nur wenige Frauen in industriellen Berufen tätig seien, und engagiert sich deshalb besonders für zusätzliche Investitionen in die Förderung von Frauen in technischen Fachrichtungen. Trotz teilweise noch vorhandener konservativer Denkmuster konstatiert sie eine positive Entwicklung. Auch die amerikanische Zollpolitik war für die Zuhörenden von grossem Interesse. In diesem Zusammenhang betonte Eva Jaisli die zentrale Bedeutung eines engen Dialogs zur Kundschaft. Die aktuelle Situation sei weiterhin herausfordernd und noch nicht ausgestanden, weshalb sie mit Blick auf die Zukunft auf ein stabiles und verlässliches Handelsabkommen hofft. Der nächste Anlass Kulturkreis 60plus findet am 18. Februar 2026, um 14.30 Uhr, wieder im Kirchgemeindehaus an der Lyssachstrasse 2 in Burgdorf statt. Dann berichtet der Tierarzt Dr. Beat Wampfler über den Einfluss von Schallwellen auf Käse.
Text und Bilder: Piera Knuchel
www.kulturkreisburgdorf.ch



