Wechseljahre entspannt meistern: Wissen, das stärkt

  11.03.2026 Burgdorf, Burgdorf, Gesellschaft, Aktuell

Die Wechseljahre sind eine natürliche, aber oft herausfordernde Lebensphase. Viele Frauen erleben Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen oder Gewichtszunahme – andere haben kaum Beschwerden. Was passiert im Körper? Welche Beschwerden sind typisch? Und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es heute, mit und ohne Hormone?
In ihrem Vortrag erklären Thomas Eggi­mann, stellvertretender Chefarzt der Frauenklinik des Spitals Emmental, und Oberärztin Catrina Bärtschi verständlich, wie sich der Hormonhaushalt verändert, welche körperlichen und emotionalen Symptome auftreten können und wie Frauen ihre Lebensqualität in dieser Zeit verbessern können. Das Referat zeigt: Die Menopause ist kein Tabuthema – und «da muss man nicht einfach durch». Mit Wissen, moderner Diagnostik und wirksamen Therapien lässt sich diese Lebensphase positiv gestalten.

«D’REGION»: Dr. Bärtschi, Dr. Eggimann: Warum sind die Wechseljahre trotz ihrer Alltäglichkeit noch immer ein Tabuthema?
Thomas Eggimann: Ein Tabuthema sind sie eigentlich nicht, aber weil sie lästig sein können, mögen nicht alle Betroffenen darüber sprechen.

«D’REGION»: Viele Frauen hören den Satz «Da muss man eben durch». Weshalb ist dieser Ansatz aus heutiger Sicht nicht mehr zeitgemäss?
Catrina Bärtschi: Vor allem frau muss da durch und es kann so belastend sein, dass sie medizinische Hilfe und Unterstützung braucht. Die gibt es, sodass sich niemand quälen muss, der das nicht möchte.

«D’REGION»: Welche körperlichen und emotionalen Veränderungen erleben Frauen am häufigsten in der Meno­pause?
Thomas Eggimann: Da gibt es ganz viele und wir werden im Rahmen unseres Vortrages versuchen, auf alle, die wir kennen, einzugehen und Fragen aus dem Publikum zu beantworten. Damit sollten alle Anwesenden, inklusive teilnehmende Männer, ihr Wissen über und ihr Verständnis für die Situation vergrössern können.

«D’REGION»: Wie erklären Sie Ihren Patientinnen, was im Körper wäh­rend der Hormonumstellung genau passiert?
Catrina Bärtschi: Das kommt auf das Bedürfnis der Betroffenen an. Einige wollen genau wissen, was da passiert, andere sind froh, wenn wir ihnen bei der Linderung ihrer Symptome helfen.

«D’REGION»: Welche therapeuti­schen Möglichkeiten stehen heute zur Verfügung – mit und ohne Hormone?
Catrina Bärtschi: Da gibt es von Yogaübungen und Meditation über Phytotherapie (pflanzliche Heilmittel) bis zu bioidentischen Hormonen eine grosse Bandbreite. Vieles kann auch kombiniert werden.

«D’REGION»: Bioidentische Hormone werden oft diskutiert. Welche Chancen und Risiken sehen Sie hier?
Thomas Eggimann: Hormone sind Hormone, da spielen bei Chancen und Risiken weniger die Art der Hormone als vielmehr die Hormone selbst die entscheidende Rolle. Wir versuchen meistens, bioidentische Produkte zu verschreiben. 

«D’REGION»: Viele Frauen empfinden die Wechseljahre als Verlust von Jugendlichkeit. Wie begleiten Sie Patientinnen emotional durch diese Phase?
Thomas Eggimann: Das Altern ist mit dem Leben so eng verknüpft, dass wir ihm eigentlich nicht entkommen können. Einige Frauen möchten etwas für ein möglichst gesundes Altern tun, dabei unterstützen wir sie gerne. 
Catrina Bärtschi: Es gibt heute einen Forschungszweig, der sich Longevity nennt und das Ziel hat, gesünder zu altern. Im Rahmen dieser Forschungen wird auch zum möglichen Nutzen einer Hormonersatztherapie geforscht. Klare Daten sind noch nicht vorhanden, aber es bleibt spannend. 

«D’REGION»: Welche Rolle spielen Lebensstilfaktoren wie Schlaf, Bewegung, Ernährung oder Stressregulation?
Catrina Bärtschi: Wie wir leben und uns ernähren hat einen grossen Einfluss sowohl auf die Lebenserwartung als auch auf die Chance, möglichst gesund zu altern. Daneben sind die Veranlagung und familiäre Vorbelas­tungen wichtig beim Gespräch über Vorsorge und Anpassungen des Lebensstils.

«D’REGION»: Was möchten Sie Frauen ab 40 mitgeben, die erste Veränderungen bemerken und sich fragen: «Ist das schon die Menopause?»
Thomas Eggimann: Reden Sie mit Kolleginnen und Verwandten oder sprechen Sie mit Ihrer Gynäkologin oder Ihrem Gynäkologen. Die Symptome können im Zusammenhang mit den sogenannten Wechseljahren (Perimenopause) auftreten, aber manchmal auch anderweitig begründet sein.
Catrina Bärtschi: Was wir nicht empfehlen, ist die Bestimmung der Hormonwerte, weil sie nichts über die Symptome aussagen und nicht weiterhelfen.

Text und Bilder: zvg
 


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