Das Projekt Paradisli soll vorangetrieben werden
05.08.2026 Lyssach, GesellschaftDas geplante nationale Leistungszentrum Paradisli an der Gemeindegrenze zwischen Kernenried und Lyssach, unmittelbar nach der Shopping-Meile in Richtung Hindelbank, kämpft um grünes Licht. Das Zukunftsprojekt sieht die Errichtung eines modernen Kompetenzzentrums für Unihockey und Badminton für die Region Mittelland unmittelbar bei der Autobahn vor. Es umfasst eine Multifunktionshalle, die Platz für bis zu 2500 Zuschauerinnen und Zuschauer bietet sowie Trainings-, Ausbildungs- und Gesundheitsangebote. Hinter dem Gesamtprojekt stecken die nationalen Sportverbände Swiss Unihockey und Swiss Badminton sowie als regionale Träger die Unihockey-Vereine SV Wiler-Ersigen und Wizards Bern Burgdorf. Die benötigte Landfläche gehört dem Unternehmen Blickle Räder + Rollen GmbH. Die Firma plant, auf dem Areal zusätzlich ein Drei-Sterne-Hotel mit 140 Zimmern zu errichten, und soll dereinst als Bauherrin fungieren. Das Investitionsvolumen für das Projekt mit Sport- und Gewerbepark sowie Hotel wird auf insgesamt 100 Millionen Franken geschätzt.
Doch das Amt für Wald und Naturgefahren (AWN) des Kantons Bern stellt sich quer. Als Problem entpuppt sich ein Waldstück von einer Fläche von knapp 9000 Quadratmetern zwischen der Autobahn und der Hauptstrasse, das für die Realisierung des Paradisli gerodet werden müsste. Eine Aussicht auf eine Rodungsbewilligung bestehe für das Projekt nicht, lautet der Standpunkt des AWN. Diese kompromisslose Haltung sorgt beim SV Wiler-Ersigen und bei den Wizards Bern Burgdorf für Frustration. Die fehlende Unterstützung des Kantons sei unverständlich, halten die Vereine in einer gemeinsamen Medienmitteilung fest.
17 Fachstellen beurteilen das Projekt positiv – eine stemmt sich dagegen
Der Startschuss für das Projekt fiel bereits im Jahr 2019. Eine erste Voranfrage beim Kanton Bern im Jahr 2022 wurde ablehnend beurteilt. Danach wurde das Konzept umfassend überarbeitet. Im Rahmen der zweiten kantonalen Voranfrage im Jahr 2024 gingen Stellungnahmen von 18 beteiligten Fachstellen ein. 17 davon beurteilten das Projekt positiv. Einzig das kantonale Amt für Wald und Naturgefahren hält weiterhin konsequent an seiner ablehnenden Haltung fest. Es stellt insbesondere die kleinräumige Standortgebundenheit sowie die nationale Bedeutung des Vorhabens infrage – diese Faktoren sind aus juristischer Sicht entscheidend, ob die Voraussetzung für den Erhalt einer Rodungsbewilligung erfüllt ist.
Für die Projektverantwortlichen sind die Kriterien für die Ausnahmebestimmung erfüllt
«Aus Optik der Projektkerngruppe und nach Auffassung der beigezogenen Experten erfüllt das Projekt eindeutig die erforderlichen Kriterien für die gesetzlich vorgesehene Ausnahmebestimmung», hält Reto Luginbühl, Präsident des SV Wiler-Ersigen und Mitglied der Projektkerngruppe, gegenüber der Zeitung «D’REGION» fest. So hat das Bundesamt für Sport (BASPO) den Bedarf für das nationale Kompetenzzentrum anerkannt. Das Paradisli ist Bestandteil des Nationalen Sportanlagenkonzepts des Bundes und soll bei der Realisierung mit einem Betrag von zwei Millionen Franken unterstützt werden. «Wir haben zudem eine sorgfältige Standortevaluation gemäss vorgegebenen Kriterien vorgenommen», versichert Reto Luginbühl. «Das Ergebnis fällt klar aus: Es sind keine anderen verfügbaren Flächen in dieser Region für ein solches Projekt verfügbar und uns bekannt wo sich innerhalb der nächsten fünf bis sieben Jahre das dringend notwendige nationale Kompetenzzentrum für Unihockey und Badminton realisieren lässt. Die Voraussetzungen am gewählten Standort punkto Verkehrserschliessung, Lärmproblematik, Synergiepotenzial, haushälterischen Umgang mit dem Boden, geringer Beeinträchtigung des Orts- und Landschaftsbildes sowie Effizienz des Baus und Betriebs sind absolut ideal. Gemessen an der Qualität des betroffenen Waldstückes, lässt sich mit Ersatzaufforstungen zudem eine Verbesserung der Umweltbilanz in der Region erreichen. Hierfür wurden verschiedene Varianten ausgearbeitet. Der zu rodende Abschnitt zwischen der A1 und der Hauptstrasse erfüllt gemäss einem in Auftrag gegebenen Gutachten seine Waldfunktion nur noch in stark eingeschränktem Masse, kann nicht zur Erholung genutzt werden und dient auch nicht als Lebensraum für schützenswerte Tiere.»
Breite Unterstützung
Das Projekt Paradisli erhält breite Unterstützung von den Standortgemeinden Kernenried und Lyssach ebenso wie von Rüdtligen-Alchenflüh, von der gesamten Region und von der kantonalen Politik. Der Grosse Rat sprach sich in einer Motion mit überwältigender Mehrheit für das Zentrum aus: mit 132 Ja-Stimmen zu 1 Nein-Stimme bei 14 Enthaltungen. «Dank des Projekts werden bis zu 100 neue Arbeitsplätze entstehen. Es wird weit über die Region hinausstrahlen», zeigt sich Reto Luginbühl überzeugt. «Seitens der Bevölkerung sind mir bisher noch keine kritischen Voten zu Ohren gekommen. Umso unverständlicher erscheint uns deshalb der Standpunkt des kantonalen Amts für Wald und Naturgefahren, dass die gesetzlich vorgesehene Ausnahmebewilligung partout nicht in Erwägung ziehen will und damit eine Ermessensunterschreitung begeht.»
Planerlassverfahren – das AGR soll auf Grundlage einer Interessenabwägung entscheiden
In einem nächsten Schritt soll nun im Herbst durch die beiden Standortgemeinden Kernenried und Lyssach ein ordentliches Planerlassverfahren beim kantonalen Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) eingereicht werden. Dies bildet die Voraussetzung, dass die notwendigen Umzonungen für den Bau vorgenommen werden können. Die Grundlagen und Vorprojekte werden zuvor in einem Mitwirkungsverfahren öffentlich aufgelegt, damit die Bevölkerung und die betroffenen Parteien Einsicht erhalten und sich äussern können. Anschliessend muss das AGR, dem seit Kurzem die Regierungsrätin Aline Trede (Grüne) vorsteht, eine übergreifende Interessenabwägung vornehmen und entscheiden, ob das Projekt weiterverfolgt werden kann. «Ich bin zuversichtlich, dass das Projekt schlussendlich die erforderliche Rodungsbewilligung erhalten wird», zeigt sich Reto Luginbühl optimistisch. «Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und sind – sofern wir grünes Licht erhalten – bereit dafür, anschliessend die Baubewilligung einzureichen. Der Traum, dass das Paradisli im Idealfall in den kommenden fünf bis sieben Jahren realisiert werden kann, ist noch nicht ausgeträumt. Solange eine Chance für die Realisierung besteht, werden wir weiterkämpfen.»
Text: Markus Hofer
Bilder: zvg


