Die Auswirkungen des demografischen Wandels
13.05.2026 BurgdorfEingeladen zum Vortrag hatten die GRÜNEN Emmental, deren Präsident Daniel Bachofner die Interessierten vergangene Woche im Gemeindesaal Burgdorf willkommen hiess. Speziell begrüsste er den Redner Dr. Manuel Buchmann, Ökonom und Demograf, Projektleiter und Lehrbeauftragter der Firma Demografik Basel. Mit grossem Fachwissen und einem anspruchsvollen Referat informierte Manuel Buchmann die Anwesenden über die Verhältnisse und die voraussichtlichen Entwicklungen auf der ganzen Welt, die der demografische Wandel an Positivem und Negativem mit sich bringen wird. Er startete mit den grossen Zahlen der gesamten Weltbevölkerung und zeigte auf, wo auf der Welt das Geburtenwachstum bereits rückläufig ist und wo es noch zunimmt.
Was bedeutet der demografische Wandel für die Schweiz?
«Die Schweiz steht vor grossen Herausforderungen in Bezug auf eine alternde Bevölkerung infolge besserer medizinischer Betreuung, die daraus folgende steigende Lebenserwartung und den starken Geburtenrückgang. Diese Faktoren beeinflussen unsere Gesellschaft, Wirtschaft und Politik stark. Die Überalterung, veränderte Familienstrukturen und die Migration fordern die sozialen Sicherungssysteme heraus. Es ist eine Tatsache, dass in der Schweiz heute mehr Menschen im Pensionsalter leben als je zuvor und dass diese Zahl in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen wird», so die Worte von Manuel Buchmann. Weiter zeigte er auf, dass die Schweiz innerhalb von knapp sechzig Jahren von sechs Millionen auf über neun Millionen Menschen angewachsen ist. Die Zehn-Millionengrenze sei gänzlich von der Zuwanderung abhängig. Sie könnte schon bald erreicht sein – vielleicht komme das Gegenteil aber schon vorher, denn es seien bereits konkrete Anzeichen vorhanden, dass die Bevölkerung schrumpfen werde. Es gebe heute auch in der Schweiz Regionen, die sich einwohnermässig rückläufig entwickeln würden. Das Emmental mit momentan rund 100 000 Einwohnerinnen und Einwohnern sei eine davon, ein Rückgang um 5 bis 20 Prozent sei realistisch.
Im Jahr 2040 werden in der Schweiz 700 000 zusätzliche Rentnerinnen und Rentner leben, was vierzig Prozent mehr sind als heute. Dem gegenüber stehen nur 230 000 zusätzliche potenzielle Erwerbstätige zur Verfügung. Das Verhältnis von Pensionierten zu den Erwerbstätigen stimmt nicht mehr. Erstmals in der Geschichte gab es im Jahr 2019 den Umstand, dass mehr Menschen in den Ruhestand getreten sind als Junge im Arbeitsmarkt waren. Bisher wuchsen alle drei Altersgruppen in ungefähr gleichem Masse, was in den kommenden Jahrzehnten nicht mehr der Fall sein wird. Künftig wächst nur noch die Gruppe der über 65-Jährigen. Fazit ist, dass die Schweiz die fehlenden Arbeitskräfte in der Zuwanderung finden müsse und nur so die Arbeitslücken schliessen könne. Manuel Buchmann wies auf die Gesundheitsszenarien der älteren Generation hin und die vermehrt benötigten Fachkräfte, zum Beispiel in der Pflege und Betreuung.
Der Redner betonte ganz klar, dass niemand in der Lage sei, mit Sicherheit vorauszusagen, was in dreissig oder fünfzig Jahren sein werde. Themen wie Alterung, Migration und Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt würde alle betreffen und gleichzeitig Chancen bieten für Innovation und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Text und Bild: Rosmarie Stalder

