Entstigmatisierung eines Tabuthemas
14.01.2026 Utzenstorf, Utzenstorf, Gesellschaft, Bildung / Schule, Region, JugendDie 18-jährige Mia Flühmann besucht derzeit das vierte Jahr am Gymnasium Hofwil. Unter dem Titel «Mehr als Blut – Ein journalistischer Podcast über die Menstruation» hat sie drei rund halbstündige Podcast-Episoden über die Thematik produziert. Die Folgen beinhalten eine Mischung aus Interviews mit Frauen, welche unterschiedliche Zugänge zum Thema haben, recherchierte Informationen und persönlichen Erfahrungen der Produzentin.
Die Podcasts sind auf Spotify und Apple Podcasts unter dem Namen «Mehr als Blut» zufinden. Jede Episode beleuchtet einen anderen Aspekt der Menstruation. Die erste Folge behandelt das Menstruationsstigma, frühere Mythen und die heutige Aufklärungsarbeit durch Schule und Eltern. Die zweite Folge thematisiert das Spannungsfeld zwischen Berufsalltag und Menstruationsbeschwerden und stellt die Frage, inwiefern ein leistungsorientierter Berufsalltag mit dem Zyklus und dessen hormonellen Schwankungen vereinbar ist. Die dritte Folge stellt Menstruationsprodukte und entsprechende Innovationen, Nachteile und mögliche Alternativen von Binden und Tampons sowie das Thema Periodenarmut in den Fokus. Periodenarmut bezeichnet das Problem, dass nicht alle Zugang zu den benötgiten Hygieneprodukten haben, und die damit verbundenen Konsequenzen.
In einem Gespräch mit der Zeitung «D’REGION» erzählt die 18-jährige Mia Flühmann mehr über das lange als Tabu geltende Thema, ihre Vorgehensweise bei der Erarbeitung der Podcasts und die gewonnenen Erkenntnisse.
«D’REGION»: Wieso wolltest du dich im Rahmen deiner Maturaarbeit gerade mit dem Thema Menstruation auseinandersetzen?
Mia Flühmann: Für mich war von Beginn an klar, dass ich für meine Maturaarbeit ein gesellschaftlich relevantes und auch oft tabuisiertes Thema wählen wollte. Mich festzulegen, fiel mir jedoch sehr schwer. Da ich selbst menstruiere, wurde ich zwangsläufig schon mit der Stigmatisierung des Prozesses konfrontiert. Ich las zu dieser Zeit auch gerade privat ein Buch, in dem es um das Menstruationsstigma in der Gesellschaft ging. So wurde mir bewusst, wie vielschichtig das Thema eigentlich ist. Als ich meinem Umfeld von meiner Idee erzählte, erhielt ich auch einige irritierte, abwehrende Reaktionen. Das machte das Thema noch spannender für mich.
«D’REGION»: Wie hast du deine Gesprächspartnerinnen ausgewählt?
Mia Flühmann: Ich versuchte, eine Mischung aus Fachpersonen und Betroffenen zu erreichen, damit spannende und abwechslungsreiche Episoden entstehen. Zu hören sind unter anderem meine Grossmutter, eine Gynäkologin, eine Sexualtherapeutin, eine Endometriosepatientin, eine Unternehmerin, die nachhaltige Alternativen zu Binden und Tampons vertreibt, und eine Aktivistin, die gegen Periodenarmut kämpft.
«D’REGION»: Welche Erkenntnisse haben dich besonders erstaunt oder beeindruckt?
Mia Flühmann: Aus jedem der Interviews konnte ich interessante Informationen mitnehmen. Mich hat beispielsweise erstaunt, dass es sehr bedeutend sein kann, wie die erste Menstruation für uns besetzt ist. Dies beeinflusst die Beziehung zu uns selbst und zu unserem Körper. Spannend ist natürlich auch der historische Hintergrund: Dass das Menstruationsblut früher als hochgiftig galt und die Menstruation auch ein Mittel war, Frauen im Patriarchat zu unterdrücken.
«D’REGION»: Wie bist du beim Recherchieren vorgegangen?
Mia Flühmann: In die verschiedenen Schwerpunkte der drei Episoden habe ich mich mithilfe von Literatur und Onlinequellen eingelesen. Es gibt viele gute Artikel zum Thema, vor allem wenn die Menstruation politisch wird, wie bei der Menstruationsdispens oder der Tamponsteuer.
«D’REGION»: Wieso hast du dich gerade für das Medium Podcast entschieden? Und wie sind deine Podcasts entstanden?
Mia Flühmann: Ich höre selbst häufig Podcasts und mich fasziniert dieses Medium. In den letzten Jahren hat es an Beliebtheit gewonnen. Zudem ist es ideal, um ein Thema ausführlich zu erläutern. Ich denke auch, dass ein Audioformat manchmal besser in den Alltag passt. Man kann gleichzeitig die Wäsche falten, zur Arbeit fahren oder joggen und muss sich nicht wie bei einem schriftlichen Artikel bewusst hinsetzen und sich Zeit dafür nehmen. Das macht das Medium auch für junge Menschen attraktiv.
Die Episoden entstanden auf Basis von Interviews, aus denen ich zentrale Aussagen auswählte. Diese ergänzte ich mit eigener Recherche und Anekdoten, woraus Folgen mit einer Mischung aus Interviews, Informationen und persönlichen Erfahrungen entstanden.
«D’REGION»: War das Aufnehmen eine grosse technische Herausforderung für dich?
Mia Flühmann: Einzig die Wahl eines Mikrofons war schwierig. Es gab Mikrofone in unterschiedlichsten Preisklassen. Doch ich habe eine gute Wahl getroffen und konnte das Mikrofon immer direkt zu den Interviewpartnerinnen mitnehmen. Der Schnitt war auch nicht allzu herausfordernd, da ich mich bereits ein bisschen damit auskannte.
«D’REGION»: Für wen sind deine Podcasts besonders interessant?
Mia Flühmann: Die Podcasts richtensich an alle Interessierten, insbesondere an Menschen, die sich bisher wenig mit dem Thema beschäftigt haben. Auch wenn die Menstruation oft tabuisiert wird, halte ich grundlegendes Wissen darüber für wichtig, um das Verständnis zu fördern und den weiblichen Körper nicht weiter zu stigmatisieren.
«D’REGION»: Gibt es eine Botschaft, welche du den Hörern/-innen mitgeben möchtest?
Mia Flühmann: Wie der Name des Podcasts bereits sagt, möchte ich, dass die Menstruation als «mehr als Blut» verstanden wird. Sie gehört zum Alltag vieler Menschen und sollte nicht etwas Ekliges oder Peinliches sein.
«D’REGION»: Planst du, dich dem Thema oder der Sichtbarmachung des Themas noch weiter zu widmen?
Mia Flühmann: Erst einmal möchte ich, dass möglichst viele Menschen den Podcast hören. Weitere Pläne gibt es vorerst nicht. Mich interessiert das Thema aber nach wie vor und wer weiss, vielleicht erscheint ja nach der Matura (wenn ich wieder etwas mehr Zeit habe) noch eine weitere Podcast-Episode oder möglicherweise realisiere ich ein anderes Projekt dazu.
Text: Rosie Schenk
Bild: Mia Flühmann

