Geschäftsbericht 2025 und Stadtentwicklungskonzept an der Stadtratssitzung

  01.07.2026 Burgdorf, Gesellschaft, Burgdorf

Der Stadtratspräsident Adrian Merz begrüsste an der Stadtratssitzung vom 22. Juni 2026 36 Stadträtinnen und -räte, insbesondere den neuen Stadtrat (SR) Lukas Wirthner (FDP). Er tritt die Nachfolge von Shana Kuster an. Nach neuneinhalb Jahren verabschiedete sich Stadträtin Sybille Zingg Righetti (SP) aus der Stadtpolitik. 
Auch in der Sozialkommission gibt es einen Wechsel. Nach der Demission von Jan Kump wählte der SR Svenja Wullschleger (Die Mitte), Studentin der Rechtswissenschaften und Kauffrau, einstimmig als neues Mitglied.

Geschäftsbericht 2025 
Bei der Diskussion zum Geschäfts­bericht lag der Fokus klar auf dem Ergebnis der Jahresrechnung 2025. Gemeinderätin (GR) Beatrice Kuster, zuständig für die Finanzen, bezeichnete die Jahresrechnung 2025 als nicht erfreulich. Der Selbstfinanzierungsgrad liege mit 3,9 Prozent der Netto­­investition zu tief. Nur dank dem aktuellen Zinsumfeld bleibe die Situation überschaubar. Die Schulden liegen im Durchschnitt vergleichbarer Gemeinden. Das operative Ergebnis hat sich jedoch auf – 4,53 Millionen Franken verschlechtert. Das stelle die Verantwortlichen vor grosse Herausforderungen. Mit ihrer Finanzstrategie berücksichtigen der GR sowie die Direktionen klare Leitplanken, um den Finanzhaushalt verbessern zu können. Diese Vorgaben gelten nicht für den SR. 
Die Rechnung 2025 schliesst mit einem Ertragsüberschuss im Gesamthaushalt von 3,63 Millionen Franken ab, was verglichen mit dem Budget 2025 eine Verschlechterung von 880 000 Franken bedeutet. Um die Zielvorgabe eines ausgeglichenen Ergebnisses (vor Entnahme aus den Neubewertungs­reserven) zu erreichen, wurde eine Entnahme aus der SF (Spezialfinanzierung) Steuerausgleich von 1,63 Millionen Franken beantragt. Unter Berücksichtigung dieser Entnahme ergibt sich im Gesamthaushalt ein Gewinn von 5,26 Millionen Franken.  
Der GR schlug vor, die Gewinne in die SF Schulanlagen und Verwaltungsgebäude (5,37 Millionen Franken) und in die SF Parkgebühren (450 000 Franken) einzulegen.
Verglichen mit dem Budget 2025 zeigt die Erfolgsrechnung einen um 2,6 Prozent höheren Personalaufwand und einen um 3,9 Prozent höheren Sach- und Betriebsaufwand. Das hat Auswirkungen auf das operative Ergebnis, das um 30,9 Prozent schlechter ausfällt als im Budget 2025. Die Steuer­entwicklung bei juristischen und natürlichen Personen ist gegenüber dem Budget tiefer als erwartet, der Lasten­ausgleich leicht angestiegen. Das Ergebnis im Gesamthaushalt vor der Gewinnverteilung fällt trotzdem um 16,6 Prozent besser aus als geplant. 
Auf Kritik stösst alljährlich die mangelnde Investitionsfreudigkeit. Der Ausschöpfungsgrad bei den geplanten Vorhaben beträgt lediglich 36 Prozent der Bruttoausgaben.
Das Eigenkapital bezifferte sich Ende 2025 auf 96,34 Millionen Franken, also rund 4,03 Millionen Franken tiefer als im Vorjahr. Das Eigenkapital setzt sich zusammen aus Spezialfinanzierungen, Rücklagen der Globalbudgetbereiche, Vorfinanzierungen, finanzpolitischen Reserven, der Neubewertungsreserve Finanzvermögen und dem Bilanzüberschuss. 
Jürg Kämpf (FDP) kritisierte das schlechte operative Ergebnis. Mit dem tiefen Selbstfinanzierungsgrad gehe jede Ausgabe zulasten der Schulden. Er habe die finanzielle Situation über die vergangenen sieben Jahre verfolgt und festgestellt, dass die zusätzlichen Steuer­einnahmen grossmehrheitlich in die Personalkosten geflossen seien, was für eine ausufernde Bürokratie spreche. Gabriela Bannwart (SP) hielt ihm entgegen, dass eine Stadt nicht betriebswirtschaftlich funktioniere und mit der Vision Burgdorf 2050 wichtige Grundlagen geschaffen worden seien. 
Hermann Dür (SVP-EDU) sorgte sich um die Schuldenentwicklung, aber auch ums Gewerbe. Der leichte Rückgang der Steuereinnahmen juristischer Personen könnte bedeuten, dass die Stadt nicht attraktiv für eine breite Wirtschaftstätigkeit sei. Man solle doch nicht nur schwarzmalen, meinte Chris­tian Hedinger (Grüne) und erwähnte Verbesserungen im Zusammenhang mit dem Regierungsstatthalteramt, der Schule und der Sozialarbeit. Das linke Lager äusserte sich mehrheitlich positiv zum Geschäftsbericht und der Jahresrechnung 2025, die Bürgerlichen eher kritisch.
Der Geschäftsbericht der Einwohnergemeinde Burgdorf mit der Jahresrechnung 2025 mit einem Aufwand­überschuss im Gesamthaushalt von 527 057,47 Franken, die Nettoentnahme aus der Schwankungsreserve von 30 000 Franken und die Einlagen in die SF Schulanlagen und Verwaltungsgebäude von 5 366 715,31 Franken wurden mit 25 Ja-Stimmen, 1 Nein-Stimme und 10 Enthaltungen genehmigt.

Rückweisung des Kreditantrags für die Ortsplanungsrevision der Stadt Burgdorf 
Die Stadt Burgdorf plant in den kommenden Jahren zentrale Weichen­stellungen in der räumlichen Entwicklung. Dabei berücksichtigt sie das Bevölkerungswachstum, den Wandel von Wirtschaft und Mobilität sowie die Anforderungen aus Klima- und Energiepolitik. Die aktuell gültige baurechtliche Grundordnung für die Stadt stammt von 2005 und entspricht nicht mehr den aktuellen Rahmenbedingungen. 
In einer ersten Phase der Ortsplanungs­revision soll ein Stadtentwicklungskonzept (STEK) erarbeitet werden. Dieses orientiert sich an der bereits entwickelten Vision Burgdorf 2050 und bildet die Grundlage für die bevorstehende Ortsplanungsrevision. Die 
Erarbeitung des STEK wird in vier Phasen aufgeteilt. Das Prozessdesign ist agil. Das bedeutet, dass robuste Phasen als Rahmen definiert werden, dass aber flexibel auf Veränderungen reagiert werden kann.
In der ersten Phase, die rund 18 Monate dauern soll, geht es um die Analyse und das Festlegen von über­geordneten Leit­ideen für die räumliche Entwicklung von Burgdorf. Der Start erfolgt mit einer Fachbegleitung. Die Expertinnen und Experten kommen aus verschiedenen Fachrichtungen wie Raumplanung, Städtebau, Freiraum- und Landschaftsplanung, Mobilität, Sozialraum sowie Umwelt. In dieser Phase können Quartiervereine und -leiste mitwirken. Leitideen werden danach vertieft und daraus werden Kernbotschaften formuliert. Schlussendlich stellen die Verantwortlichen mittels Realitätscheck sicher, dass diese auch umsetzbar sind. Stadtpräsident Stefan Berger betonte, dass die politische Verantwortung nicht nur darin bestehe, Entwicklungen zu verwalten, sondern diese im Interesse der Stadt auch aktiv zu gestalten. Dabei würden keine andern Projekte zuguns­ten des STEK zurückgestellt. 
Diese Informationen stiessen nicht bei allen Fraktionen auf offene Ohren. Die Aktualisierung der Ortsplanung war für alle unbestritten, doch Roger Aebi (Die Mitte) wünschte sich eine schlan­kere Gestaltung, damit das Projekt nicht unnötig verlängert werde. Jürg Kämpf (FDP) unterstützte diese Forderung und bezeichnete das STEK als massloses Konzept, das grossen administrativen und finanziellen Aufwand verursache. Seitens der SP erklärte Tanja Blume die Unterstützung des STEK und Esther Liechti-Lanz (EVP) steht mit ihrer Partei ebenfalls hinter dem Projekt, weil eine fundierte Weiterentwicklung für nachfolgende Generationen bedeutend sei. Die Grünen schätzen die breite Partizipation der Bevölkerung und den Einbezug von Politik und Wirtschaft. Fundierte Planung sei kein Selbstzweck, so Tobias Vogel (Grüne), sondern fokussiere auf die Bedürfnisse der Bewohner/innen der Stadt. Claudia von Känel (GLP) wünschte eine saubere Planung mit Zwischenberichten an den SR. Und Jonas Lauwiner (JL im Dienst für die Burgdorfer) will damit nicht die Freiheit der Bürger/innen einschränken. Für die EDU/SVP merkte Urs Wühtrich an, dass die Stadt bei der aktuellen Schuldenlage überlegen müsse, ob das STEK finanzierbar sei. 
Hermann Dür (SVP-EDU) stellte einen Rückweisungsantrag für das Projekt «Ortsplanungsrevision Stadt Burgdorf, Phase 1», für dessen Ausführung ein Investitionskredit von brutto 860 000 Franken beantragt wurde. Stefan Berger bedauerte die Annahme des Rückweisungsantrags mit 19 Ja- gegen 17 Nein-Stimmen. Dies führe zu erneuten Verzögerungen. Er bat die Fraktionen, ihm genauere Angaben über ihre Visionen zu machen: Ist das Projekt zu teuer, bemängeln sie die starke Unterstützung durch externe Fachkräfte oder soll die Mitwirkung verschiedener Interessengruppen geändert werden? Die Planung liegt nun erneut beim GR.

Reaktivierung und Sanierung des Lyssachbachs 
Der Lyssachbach ist Teil des Kanalnetzes von Burgdorf. Die Bausubstanz des Abschnittes von der Bahnhofstrasse Ost (Schieberbauwerk bei der Hauptpost) bis zur Bucherstrasse befindet sich in baulich schlechtem Zustand. In den vergangenen Jahren sind keine Inves­titionen getätigt worden und der Gewässerabschnitt hat kein Wasser mehr geführt. Künftig muss der Lyssachbach wieder Wasser führen. Aus Erkenntnissen durch Vorarbeiten entstand ein Bauprojekt. Die Stadt ist verantwortlich für den Projektperimeter zwischen der Bahnhofstrasse Ost (Hauptpost) und der Bucherstrasse. Die Sanierung des Bachabschnittes von der Bucherstrasse bis zur Tiergartenstrasse (Aebi-Areal) wird vollumfänglich durch die Grundeigentümer/innen geplant, realisiert und
finanziert.  
Das Projekt für die Reaktivierung und Sanierung Lyssachbach und ein Kredit für die Ausführung von brutto 1,1 Millionen Franken wurden mit 35 Ja-Stimmen bei 1 Enthaltung genehmigt.

Kulturförderung in der Stadt Burgdorf 
Die GLP-Fraktion richtete einen Auftrag an den GR mit folgendem Wortlaut: «Der Gemeinderat wird beauftragt, die Kulturförderung der Stadt Burgdorf – analog zur neu eingeführten und breit akzeptierten Sportförderung – weiterzuentwickeln und zu vereinheitlichen.» Dazu gehören gemäss der Fraktion die Ausarbeitung eines digitalisierten und standardisierten Antrags- und Prüfverfahrens für Kulturförderbeiträge und sichtbare, nachvollziehbar und transparent angewendete Förder­gefässe. Jährlich werden in Burgdorf Kulturförderungen im Umfang von rund 900 000 Franken getätigt. Bei so viel Geld sollte ein standardisiertes und transparentes Verfahren angewendet werden. Das reduziere den Aufwand und schaffe Planungs- und Prozesssicherheit für alle Beteiligten. 
Stefan Berger erklärte die Komplexität der Kulturförderung. Zusammenfassend zeigte er auf, dass diese nach einem klaren Konzept und klaren Strukturen erfolgt. Seit 2024 wird sie digital gestaltet und orientiert sich an den aktuellen Gegebenheiten. 
Anette Vogt (SP) kritisierte das Vorgehen der GLP. Mit wenigen Klicks wäre die perfekte Organisation der Kulturförderung ersichtlich gewesen und hätte diesen Auftrag verhindert. Politische Vorstösse sollten auf vorgängiger Analyse basieren, so ihre Forderung. Der SR lehnte den Auftrag mit 35 Nein-Stimmen bei 1 Enthaltung ab.

Motion FDP-Fraktion betreffend Wiedereinführung einer Finanzkommission 
Die FDP-Fraktion richtete sich mit der Motion «Wiedereinführung einer Finanzkommission» an den GR. Diese Kommission soll aus sieben Mitgliedern des SR bestehen und verschiedene Kompetenzen erhalten. Sie würde ab Beginn der Legislatur 2029 eingesetzt. Mit ihrer Einführung schaffe die Stadt ein bewährtes Instrument zur vertieften parlamentarischen Mitwirkung in Finanzfragen. Angesichts der eher angespannten Finanzlage und bevorstehender weiterer Verschuldung sei eine verstärkte politische Begleitung angezeigt. 
Gemeinderätin Beatrice Kuster erklärte, der GR erachte eine vertiefte Auseinandersetzung mit diesem Anliegen als sinnvoll. Es brauche jedoch eine sorgfältige Analyse. Dazu gehören Abklärungen, ob die Einführung einer Finanzkommission nicht zu Doppelspurigkeit und Abgrenzungsproblemen mit der GPK (Geschäfts­prüfungskommission) führe. Zudem sollte sich dadurch der zeitliche Aufwand für Verwaltung, GR und SR nicht vergrössern oder die Verfahrensdauer verlängern. 
Da solche Fragen im Rahmen des eingereichten Motionstexts nicht abschliessend beantwortet werden können, beantragte der GR, die Motion in ein Postulat umzuwandeln. Er bekäme damit den Auftrag, die Anliegen vertieft zu prüfen und dem Stadtrat die Ergebnisse in einem Bericht vorzulegen. Nach längeren Diskussionen entschied sich der SR für die Umwandlung in ein Postulat mit 19 Ja-Stimmen, 16 Nein-Stimmen und 1 Enthaltung.

Kreditabrechnung Darlehen Primatwechsel Pensionskasse      
Im Jahr 2009 nahm der SR Kenntnis vom Entscheid des Stiftungsrates der Personalvorsorgestiftung Region Emmental, wonach die Stiftung das Versicherungssystem für das Personal der Stadt­verwaltung auf 2011 vom Leistungsprimat ins Beitragsprimat wechselte. Die Kreditabrechnung für das Darlehen Primatwechsel Pensionskasse mit Ausgaben von brutto 7 419 428,65 Franken und Mehrausgaben von 619 138,35 Franken wurde einstimmig genehmigt. Netto sind Ausgaben von null Franken entstanden.
Nach einer rund zweieinhalbstündigen Sitzung bei über 30 Grad Aussentemperatur entliess der Stadtratspräsident Adrian Merz die Politiker/innen, damit sie auf der Brüder-Schnell-Terrasse Abkühlung suchen konnten.

Text und Bild: Helen Käser


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