Informationen über Geothermie in Burgdorf
04.02.2026 Burgdorf, Politik, Gesellschaft, BurgdorfDie Localnet AG und die CKW AG (Centralschweizerische Kraftwerke) luden am vergangenen Mittwoch zu einem Informationsanlass ein. Ziel war es, die Bevölkerung über die ersten Abklärungen und die verschiedenen Phasen eines möglichen Geothermieprojekts in der Region Burgdorf zu informieren.
Geothermie mobilisiert
Die Aula Gsteighof war bis auf den letzten Platz besetzt, als Marcel Stalder, Leiter Marketing und Verkauf der Localnet AG, die Gäste begrüsste. Anschliessend sprach Stefan Berger, Stadtpräsident von Burgdorf, über das frisch angestossene Projekt: Energiefragen würden bewegen und Nachhaltigkeit habe in Burgdorf einen hohen Stellenwert. Mit diesem Informationsanlass wolle man Wissen teilen, Hintergründe erläutern, Transparenz schaffen und die Bürger/innen einbinden.
Danach begrüsste Pascal Kirchhofer, CEO der Localnet AG, per Videobotschaft die Anwesenden. Francesco M. Rappa, VR-Vizepräsident der Localnet AG, betonte in seinem Referat, dass die Energiezukunft nach einem Zusammenspiel verschiedener Technologien verlange. Es sei von grosser Bedeutung, dass Fragen gestellt und Antworten Klarheit schaffen würden.
Geothermieprojekt von A bis Z
Die CKW AG und die Localnet AG haben das Geothermieprojekt für die Region Burgdorf gemeinsam lanciert. Die CKW AG bringt das Know-how mit, die Localnet AG verfügt über das Netz. Philipp Leppert, Projektleiter Neue
Energien CKW AG, erklärte: «Geothermie bezeichnet die Nutzung von Wärme aus dem Erdinnern – entweder zum Heizen oder Kühlen und/oder zur Stromerzeugung. Wenn man bedenkt, dass bei rund 99 Prozent der Erdkugel Temperaturen von über 1000 Grad Celsius gemessen wurden, liegt die Idee nahe, dieses Wärmepotenzial nutzbar zu machen».
Geothermie ist umweltfreundlich, emissionsarm und unabhängig von Rohstoffimporten. Zudem findet die Wertschöpfung in der Schweiz statt. Geothermie könnte die bestehende Lücke im Energiemix der Schweiz schliessen. Im Gegensatz zu anderen klimafreundlichen Energien wie Solar-, Wasser- oder Windkraft ist Geothermie unabhängig von Tages- und Jahreszeit und der Flächenbedarf ist niedrig.
Je nach Temperatur und geothermischer Ressource besteht die Möglichkeit für oberflächennahe (bis 400 Meter Tiefe) oder für hydrothermale Geothermie, die tief im Untergrund vorhandene Thermalwasservorkommen nutzt. Andere Geothermie-Technologien können ohne Thermalwasservorkommen im Untergrund Wärme entziehen. Die Stromerzeugung mittels Geothermie beträgt weltweit mehr als 15 000 Megawatt. In Riehen (BS) steht eine hydrothermale Geothermie-Anlage mit einer Leistung von 5 Megawatt und einer Wärmeproduktion von 21 Gigawattstunden. Sie spart jährlich 5400 Tonnen CO2-Emissionen ein. In Paris liefern bereits über 50 und in München über 25 Geothermieanlagen für je eine Million Menschen Wärme und Strom.
Projektverlauf in Burgdorf
Die CKW AG hat sich aus verschiedenen Gründen für Abklärungen in der Region Burgdorf entschieden. Ein Grund ist der hohe Bedarf an erneuerbaren Energien für bestehende und geplante Wärmeverbünde. Zudem will Burgdorf die Wärmeproduktion bis ins Jahr 2050 zu 100 Prozent auf erneuerbare Energieträger umstellen. Ein weiterer wichtiger Grund ist das hydrothermale Potenzial bei tiefer seismischer Gefährdung. Die ersten Ergebnisse seien erfreulich.
Die Abklärungen begannen im Oktober 2025. Dabei ermittelten die Localnet AG und die CKW AG die öffentlich zugänglichen Untergrunddaten und analysierten darauf basierend das Potenzial für die Wärmenutzung und Stromproduktion. Die Region Burgdorf zeigt gute geologische Voraussetzungen. Diese ersten Erkenntnisse müssen nun mit wissenschaftlicher Begleitung vertieft werden.
Philipp Leppert erklärte die Phasen eines Geothermieprojekts und den zeitlichen Ablauf. «Momentan stehen wir mit der Aufarbeitung von bekannten geologischen Daten ganz am Anfang», erklärte er. In einer nächsten möglichen Phase – falls die weiteren Analysen bis dahin positive Ergebnisse liefern – findet eine Erkundungskampagne mit schweren Fahrzeugen statt. Alle Daten werden danach ausgewertet, analysiert und – falls wiederum alle Faktoren auf «Grün» stehen – später mit Probebohrungen getestet. Bei positiven Ergebnissen könnte die Geothermieanlage in rund acht bis zehn Jahren in Betrieb genommen werden.
Fragen der Bürgerinnen und Bürger
Viele Fragen drehten sich um die finanziellen Aspekte des Projekts. Sie wurden von Janick Jampen, Leiter Gas, Wasser und Wärme der Localnet AG, und Philipp Leppert beantwortet. Für den Grossteil der aktuellen Kosten komme die CKW AG auf, erklärte Leppert. Falls die detaillierten Untersuchungen positiv ausfallen, müsste die Kostenverteilung zwischen den Projektpartnern für die nächsten Phasen verhandelt werden. Es gelte, Risiken und Chancen abzuschätzen. Wo schlussendlich gebohrt würde, ergäben die Abklärungen.
Auch Fragen zu seismischen Störungen beschäftigten die Bürger/innen. Leppert erklärte, dass bereits vor den Bohrungen Messstellen mit einem Ampelsystem eingerichtet und überwacht würden. Für das Trinkwasser bestehe keine Gefahr der Verunreinigung, denn dieses wird aus dem oberflächlichen Grundwasser gewonnen. Darunter liegen in der Regel wassersperrende Formationen und erst über 1000 Meter tiefer die gesuchten heissen, wasserhaltigen Schichten. Das Bohrloch, das bis in diese Tiefen gelangt, wird mehrfach mit Stahlrohren und Zement ausgekleidet und auch im Betrieb mit einer Messung überwacht, damit kein Austausch mit der Trinkwasserschicht möglich ist.
«Aber warum nur über die Risiken sprechen, nicht über die Chancen?», fragte ein Bürger. Die Schweiz zahle jährlich zehn Milliarden Franken für fossile Brennstoffe aus dem Ausland. Diese könnten in der Schweiz für nachhaltige Energie, zum Beispiel Geothermie, genutzt werden.
Text und Bilder: Helen Käser



