Künstliche Intelligenz im kirchlichen Kontext
29.04.2026 Burgdorf, Burgdorf, GesellschaftRund 50 Teilnehmende der Generation 60+ versammelten sich am vergangenen Donnerstag im Kirchgemeindehaus der reformierten Kirche Burgdorf zu einer Veranstaltung unter dem Titel «Künstliche Intelligenz im kirchlichen Kontext: Frevel oder Fortschritt». Organisiert wurde der Anlass unter anderem von Heike Imthurn, Sozialarbeiterin, Altersbeauftragte und Koordinatorin der Freiwilligenarbeit. Sie stellte fest, dass das Interesse an digitalen Themen, insbesondere an künstlicher Intelligenz (KI), auch bei älteren Menschen stetig wächst. Bereits heute besteht für Mitglieder der Kirchgemeinde das Angebot «Handy im Alltag», in welchem eine Gruppe Freiwilliger Fragen zum Smartphone-Gebrauch beantwortet.
In dieser Freiwilligengruppe wirken unter anderem Beat Hess, Yamato Semling und Matthias Müller mit, welche durch den aktuellen Anlass führten. KI ist im Alltag immer häufiger anzutreffen – das Ziel der Veranstaltung war es, älteren Menschen einen Einblick in das Prinzip und die Möglichkeiten von KI zu gewähren.
Nach einer Einführung durch Susanne Baumgartner startete Matthias Müller in das Referat. Er erklärte, dass es bei der Veranstaltung darum gehe, aufzuzeigen, «was aktuell im Gange ist». Dabei stellte sich auch die Frage, weshalb sich gerade die Kirche mit KI beschäftigen soll. Matthias Müller und Susanne Baumgartner verbanden KI-Themen mit Ansichten aus der Bibel: KI beeinflusst den Ressourcenverbrauch, etwa Strom oder Wasser. In der Bibel wird ein verantwortungsvoller Umgang mit ebendiesen Ressourcen gefordert. Zudem stelle sich die Frage nach Wahrheit und Täuschung, etwa bei KI-generierten Bildern. Auch hier hat die Bibel klare Ansichten: Man soll seine Mitmenschen nicht belügen. Auch die Gefahr der Vereinsamung durch digitale Technologien widerspreche christlichen Werten.
Weiter beleuchtete Matthias Müller die Chancen und Risiken von KI und zeigte konkrete Anwendungsbereiche auf, in welchen KI einen positiven Einfluss hat: von Medizin über Mobilität bis hin zu Bildung, Forschung und Wirtschaft. Als Beispiel wurde der Felssturz in Blatten (VS) genannt, bei dem KI-gestützte Systeme bei der Frühwarnung zum Einsatz kamen. Gleichzeitig warnten die Referenten vor Falschinformationen im Netz. Als Beispiel kreierten die Freiwilligen eine erfundene Meldung über einen Brand der Kirche Burgdorf inklusive Bild des Gebäudes in Vollbrand – in nur wenigen Sekunden war die täuschend echte Mitteilung erstellt.
Diskutiert wurde zudem über sogenannte KI-Companions – digitale Gesprächspartner, die jederzeit verfügbar sind. Vorteile seien die einfache Nutzung und die Niederschwelligkeit, Nachteile hingegen fehlende Emotionen, Datenschutzfragen und die Gefahr von Abhängigkeit.
Ein clever gestalteter praktischer Teil rundete den Anlass ab: Pfarrer Manuel Dubach interpretierte einen von einem Kirchenfenster der reformierten Kirche inspirierten Bibeltext (Markus 5, 35–43), während eine KI dieselbe Aufgabe in rund zehn Sekunden erledigte. Dubach hatte dafür mehrere Stunden benötigt. Danach konnte das Publikum raten, welcher Text von wem stammte. Immerhin 20 von 35 Abstimmenden konnten die Texte richtig zuordnen. Manuel Dubach selbst zeigte sich beeindruckt von der rasanten Entwicklung der KI in den letzten Jahren, räumte aber ein, er habe, um den Wettkampf etwas weniger offensichtlich zu gestalten, zwischenmenschliche, regionale sowie zeitlich aktuelle Referenzen, welche er normalerweise in seine Gottesdienste einbringt, weggelassen.
Zum Abschluss wurde betont: KI sollte bewusst eingesetzt werden. Ressourcen gilt es zu schonen, Informationen vor dem Teilen zu prüfen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, insbesondere durch lokale Gemeinschaften und Vereine und nicht durch digitale Companions. Im Anschluss an das Referat tauschten sich die Anwesenden beim gemeinsamen Apéro aus.
Text und Bilder: Rosie Schenk

