«Never give up!» – Ein Neujahrsapéro mit interessanten Persönlichkeiten
18.01.2026 Burgdorf, Aktuell, Foto, Burgdorf, Gesellschaft«Never give up!» – Ein Leitsatz, den wir alle kennen. Wenn wir vor grossen Herausforderungen stehen, uns entmutigt fühlen oder kurz davor sind, ein wichtiges Ziel aufzugeben, kann uns dieser Satz darin bestärken, durchzuhalten und weiterzumachen. Der amerikanische Erfinder Thomas Edison formulierte es treffend: «Unsere grösste Schwäche liegt im Aufgeben. Der sicherste Weg zum Erfolg ist immer, es nur noch ein einziges Mal zu versuchen!»
Genau diesem Meistern von Schwierigkeiten widmete sich der Neujahrsanlass der Stiftung intact. Die Stiftung, die Langzeiterwerbslosen eine sinnvolle Beschäftigung, ein soziales Netzwerk und Unterstützung bei der beruflichen Integration bietet, lud vergangene Woche zu einer Podiumsdiskussion in die Markthalle ein. Persönlichkeiten wie OL-Läuferin Simone Niggli-Luder, Luca Lang, bekannt als Rapper «Pato», Radsportlerin Jasmin Liechti sowie die im Leben schwer geprüfte Edith Locher Brunner und ihr Mann Matthias Brunner kamen zu Wort. Niemals aufzugeben, hat die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion dahin geführt, wo sie heute sind. Und es war gewiss nicht immer einfach.
In seiner Funktion als Geschäftsführer der Stiftung intact zog Theophil Bucher eine Bilanz des vergangenen Jahres, das für die Stiftung leider vor Kurzem vom tragischen Verlust eines Mitarbeiters überschattet wurde. Wie geht man damit um? Im Wissen, dass unterschiedliche Lebensereignisse Menschen aus dem Tritt bringen können, engagiert sich die Stiftung dafür, Betroffenen neue Perspektiven im Arbeitsleben zu eröffnen. Theophil Bucher sieht die Stiftung intact als eine Art Auffangnetz, das Menschen auffängt und ihnen hilft, ihre Rolle in der Gesellschaft wieder zu finden. Er bedankte sich bei allen Mitarbeitenden, die grossartige Arbeit leisten und sich enorm engagieren. Mehr als 550 Menschen konnten in den vergangenen 10 Jahren durch die Stiftung intact an Arbeitgebende vermittelt werden. Durch die wirtschaftliche Unsicherheit kann es laut Theophil Bucher jedoch zunehmend schwieriger werden, den Sprung in den Arbeitsmarkt zu schaffen. Umso wichtiger also, dass die Bereichsleitenden der Stiftung intact optimistisch vorangehen und bei Misserfolgen wieder für gute Stimmung sorgen. «Aber wie steht man nach Niederlagen immer wieder auf?» Mit dieser Frage übergab der Geschäftsführer der Stiftung intact das Wort an den SRF-Journalisten Donat Hofer, der die Podiumsdiskussion moderierte.
Alle Teilnehmenden der Podiumsdiskussion kennen den Leitspruch «Never give up!» sehr gut. Bei der 23-fachen Weltmeisterin Simone Niggli-Luder blieb die Entschlossenheit, niemals aufzugeben, selbst nach all ihren Erfolgen ungebrochen. Sie freute sich vor jedem Lauf auf das neue Gelände und die Vorbereitung und richtete den Blick stets nach vorne. Auch nach dem Ende ihrer OL-Karriere blieb sie fokussiert und nahm die Ausbildung zur medizinischen Praxisassistentin in Angriff.
Auch die Burgdorferin Jasmin Liechti war einst, wie Simone Niggli-Luder, dem OL-Fieber verfallen. Dann aber entdeckte sie das Radrennfahren für sich. Mittlerweile blickt sie auf einen U23-Vize-Europameistertitel im Zeitfahren zurück. Die neue Botschafterin der Stiftung intact erzählte mit Begeisterung vom «Flow-Gefühl» auf dem Rad. Aber auch von harten Trainings, von Schmerz und vom «Durchbeissen». «Never give up!» heisst es für sie, wenn sie trotz schmerzenden Beinen noch einmal Extra-Power aktivieren muss.
Auch in der Musikbranche zahlen sich Ausdauer und Nicht-Aufgeben aus. Davon erzählte der Solothurner Mundart-Rapper «Pato», der mit bürgerlichem Namen Luca Lang heisst. Er schreibt Songs vor allem zum Verarbeiten von Erlebnissen. Für ihn gilt ein Song erst dann als Erfolg, wenn er anderen Menschen in irgendeiner Form helfen kann. Einige seiner eingängigen Refrains eroberten bereits die Radio-Playlisten.
Edith Locher Brunner und Matthias
Brunner waren einst Pioniere der Schweizer Wasserfitness. Doch Ende 2016 schlug das Schicksal zu. Auf einer Reise durch Südamerika wurden sie mit einem gefährlichen Virus infiziert. Matthias Brunner überstand die Krankheit ohne grössere Komplikationen. Edith Locher Brunner kämpfte jedoch monatelang im Berner Inselspital ums Überleben. Das linke Bein und drei Zehen mussten amputiert werden. Die Lunge trug bleibende Schäden davon. Nach dem Aufenthalt im Inselspital folgte eine lange Zeit im Schweizer Paraplegiker Zentrum. Kleine Hoffnungsschimmer ermunterten Edith Locher Brunner immer wieder, nicht aufzugeben. «Never give up!» wurde aber fortan auch für ihren Mann Matthias zum Leitspruch. Für ihn war es nie eine Option, Edith aufzugeben. Obwohl Edith Locher Brunner sehr lange nicht sprechen konnte, fanden die beiden einen eigenen Weg, sich auszutauschen. Und ihre Verbindung blieb bemerkenswert stark – bis heute! Das Schicksal von Edith Locher Brunner und ihrem Mann Matthias machte an der Podiumsdiskussion auf bewegende Weise deutlich: «Niemals aufgeben» gilt nicht nur für sportliche oder berufliche Erfolge, sondern vor allem für die härtesten Prüfungen des Lebens.
Um das Gehörte stimmungsvoll abzurunden, trug Pato den Song «Liebi Leonie» sowie zwei weitere Balladen vor.
Bei einem Ausblick auf das Jahr 2026 erläuterte Theophil Bucher die anstehenden Herausforderungen in Bezug auf die Keramikwerkstatt und die Arbeitsintegration im Kanton Bern. Im Anschluss hatten die Gäste während eines Apéros im Foyer der Markthalle ausreichend Gelegenheit zum Austausch.
Text und Bilder: Petra Schmid


