Petition fordert: Der Gyripark soll grün bleiben

  16.09.2026 Burgdorf, Burgdorf, Gesellschaft, Aktuell

Am vergangenen Mittwoch reichte die Interessengemeinschaft Gyripark eine Petition mit 890 Unterschriften ein, welche die Stadt Burgdorf ersucht, alternative Schulstandorte für das im Gyripark angedachte Schulhausprojekt zu prüfen. 
Die Schulraumplanung in Burgdorf zeigt sich seit geraumer Zeit als polarisierendes Thema. In der Gemeinde fehlt es an Schulraum. Prognosen der Bevölkerungs­ent­wicklung weisen darauf hin, dass die Zahl der Schülerinnen und Schüler in den kommenden Jahren weiter ansteigen wird. Bereits jetzt fehlt es in vielen Burgdorfer Schulen an genügend Platz. Insbesondere die Situation im Schulhaus Neumatt sei prekär, wie in der Stadtratssitzung vom 18. Mai 2026 mitgeteilt wurde. Nicht nur die unzureichenden Platzverhältnisse sind ein Problem, sondern auch die Bausubstanz, welche in die Jahre gekommen und sanierungsbedürftig ist. Im Mai dieses Jahres stellte die Bildungsdirektion an einem Informationsanlass für Erziehungsberechtigte und Interessierte die Schulraumentwicklung der Stadt Burgdorf vor, wodurch die Schulraumthematik eine breitere Öffentlichkeit erreichte. 
Insbesondere der Vorschlag, im Gyri­schachenquartier ein eigenes Schulhaus zu errichten, stösst bei vielen Burgdorferinnen und Burgdorfern auf Widerstand. Das Hochhausquartier aus den 1960er-Jahren ist das am dichtesten bebaute Quartier in der Stadt Burgdorf, entsprechend wehren sich die Unterstützer/innen der Petition gegen eine potenzielle Überbauung der zentralen Grünfläche. Der Gyrischachen gilt aufgrund der schlechten sozio-ökonomischen Durchmischung gewissermassen als «Problemquartier» von Burgdorf. Ein eigenes Schulhaus würde die von der Stadt gewünschte Durchmischung mit anderen Stadtgebieten weiter erschweren. Der Verlust des Gyriparks, welcher auch Spielplätze und Picknicktische sowie zahlreiche grosse, Schatten spendende Bäume beherbergt, wäre für das Quartier verhängnisvoll, betonen die Petitionsinitianten. Für viele Bewohnende des Quartiers sei der Park eine der wenigen frei zugänglichen Grünflächen in unmittelbarer Wohnnähe. Auch klimatechnisch stelle die grosse Grünfläche im stark überbauten Quartier einen grossen Mehrwert dar. In heissen Sommermonaten, wie in diesem Jahr, fungiert der Schatten unter den grossen Bäumen als wichtiger Rückzugsort für die Wohnbevölkerung. 
Der Gemeinderat wird in der Petition aufgefordert, den Gyripark als öffentlichen Grün- und Begegnungsraum zu erhalten und auf eine Überbauung zu verzichten. Alternative Standorte für zusätzlichen Schulraum sollen ernsthaft geprüft und die Bevölkerung soll stärker in die weitere Planung miteinbezogen werden. Zudem wird der Gemeinderat dazu aufgerufen, den Wert von Grünflächen für die Lebensqualität kommender Generationen angemessen zu be­rücksichtigen.
Die SP-Fraktion des Stadtrates reichte im Mai 2026 eine Interpellation betreffend Schulhaus Gyripark ein. Im Bericht zur Interpellation geht der Gemeinderat auf einige Fragen der Fraktion ein. Es wird betont, dass es sich bei der vorgestellten Schulraumplanung nur um eine Potenzialstudie handle und nicht um konkrete Baupläne. Der Gemeinderat erwähnt weiter, dass ein Schulhaus im Gyrischachen auch eine Aufwertung für das Quartier bedeuten könne und dass ein Baufeld für eine Schulanlage bereits bei der Entstehung der Überbauung in den 1960er-Jahren rechtskräftig verfügt worden sei. Deshalb gebe es in der Nähe des Gyrischachens keine weiteren möglichen Schulstandorte. Falls kein Schulhaus im Gyripark realisiert würde, müssten andere bestehende oder neue Schulstandorte ausgebaut werden. Zudem betont der Gemeinderat, dass im Gyrischachen anstelle des Gyriparks die Parzelle des jetzigen Kindergartens am Uferweg als Ersatz-Grünfläche zur Verfügung stehen würde.
Die fast 900 Unterschriften der Petition zeigen, dass das Gyrischachenquartier und der Gyripark eng miteinander verbunden sind und der Verlust des Parks in seiner jetzigen Grösse ein tiefer Einschnitt in das Leben der Quartierbewohnenden bedeuten würde. Die Unterstützung der Petition geht über die Quartiergrenzen hinaus: Die Bewohnenden des Gyrischachens, übrige Einwohner/innen der Stadt Burgdorf sowie Besuchende und Freunde des Gyriparks setzen sich für dessen Erhalt ein. 
Die Interpellation der SP-Fraktion, welche neben dem Verlust der Grünfläche weitere Kritikpunkte am Schulstandort aufwirft, wurde am vergangenen Montag an der Stadtratssitzung besprochen. Darüber wird die Zeitung 
«D’Region» im Stadtratsbericht in der Ausgabe von kommender Woche berichten.

Text: Rosie Schenk
Bilder: zvg


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