Regionale Talente an den WorldSkills 2026

  03.06.2026 Aktuell, Jugend, Gesellschaft, Bildung / Schule

Entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg, zielten die Berufsmeisterschaften WorldSkills in ihren Anfängen in den 1950er-Jahren darauf ab, Lehrberufe für junge Arbeiterinnen und Arbeiter zugänglicher und attraktiver zu machen. Seither ist die anfänglich auf Spanien und Portugal begrenzte Organisation stetig gewachsen. In seiner heutigen Ausführung soll der Wettbewerb vor allem den internationalen Austausch zwischen jungen Berufstätigen in nicht akademischen Berufen fördern. 
An den diesjährigen WorldSkills in Shanghai vom 22. bis 27. September 2026 treten Teilnehmende aus 70 Ländern in 64 Skills (also Berufen) an. Viele der teilnehmenden Länder halten ihre eigenen Berufsmeisterschaften zur Auswahl der Kandidierenden ab, wie beispielsweise die SwissSkills in der Schweiz. Ab 2014 wurden die zentralen Berufsmeisterschaften hierzulande alle vier Jahre durchgeführt, seit 2018 finden sie alle 2 Jahre statt. Zwischendurch veranstalten verschiedene Berufsverbände zudem dezentrale SwissSkills Championships. Das SwissSkills National Team 2026 besteht aus 42 jungen Talenten, welche in 38 Skills antreten werden.
Für Jara Galli und Matthias Steiner, die im Einzugsgebiet der Zeitung «D’REGION» leben und sich in Shanghai mit Berufskolleginnen und -kollegen aus der ganzen Welt messen werden, sind die kommenden Monate geprägt von intensiven Vorbereitungsarbeiten. Trainiert und unterstützt werden sie dabei von Expertinnen und Experten, welche ihnen helfen, ihr Handwerk weiter zu verfeinern und zu perfektionieren.

Jara Galli, Aefligen, und Matthias Steiner, Lyssach, bereiten sich auf Shanghai vor
Jara Galli aus Aefligen ist Kosmetikerin EFZ und arbeitet derzeit in Burgdorf bei der Schoenzeit Kosmetik GmbH. Sie wollte bereits als Kind Kosmetikerin werden. Nach einem kurzen Abstecher ans Gymnasium entschied sie sich dann im Berufswahlalter für die Ausbildung zur Kosmetikerin, obwohl sie aus ihrem Umfeld nicht nur positive Rückmeldungen zu dieser Entscheidung erhielt. Ihre Eltern unterstützten sie jedoch bei ihrem Entschluss, wodurch Jara Galli sich auf diesem Weg gut aufgehoben fühlte. An den WorldSkills tritt sie im Skill «Beauty Therapy» an.
Matthias Steiner aus Lyssach ist Sanitärinstallateur und arbeitet heute bei der Bill Haustechnik AG in Utzenstorf. Er stiess eher zufällig auf den Beruf: In der Berufswahlphase mussten bei Steiners Zuhause ein Waschtisch und ein Wassererwärmer erneuert werden. Da die Arbeiten in den Frühlingsferien stattfanden, konnte Matthias Steiner gleich mitanpacken. Nachdem dadurch die erste Faszination in ihm geweckt worden war, entschied er sich, nochmals richtig in den Beruf reinzuschnuppern – und die Entscheidung war gefallen. An den WorldSkills tritt er im Skill «Heating and Plumbing» an.
Im Gespräch mit der Zeitung «D’REGION» erzählen die beiden Jungtalente, wie sie sich auf Shanghai vorbereiten und welche Erwartungen sie haben.

«D’REGION»: Wie seid ihr mit den Berufsmeisterschaften in Berührung gekommen?
Matthias Steiner: Für die SwissSkills qualifizierte ich mich mit der Erfahrungsnote aus meinen ÜKs (überbetrieblichen Kursen) und durfte im Team mit weiteren Sanitärinstallateuren starten. Ich konnte bereits im 4. Lehrjahr an den SwissSkills teilnehmen, da die Sanitärinstallateur-Lehre damals von drei Jahren auf vier verlängert wurde und es keine Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger gab. Ich war positiv überrascht, wie gut das Team funktionierte, obwohl wir uns zuvor nicht gekannt hatten. Ausserdem zeigte sich, dass ich gut vor Publikum arbeiten und dieses ausblenden konnte.
Jara Galli: Ich nahm nicht direkt an den SwissSkills teil, sondern an einem externen Qualifikationswettbewerb des westschweizerischen Branchenverbands. Aber ich empfand die SwissSkills als Zuschauerin sehr eindrücklich.

«D’REGION»: Wie habt ihr euch schliesslich für die WorldSkills qualifiziert?
Matthias Steiner: Nach den Schweizermeisterschaften nahm ich an einer Qualifikation für die WorldSkills teil. Dabei wurden sowohl praktische Arbeiten als auch die Konzentrationsfähigkeit getestet, und nach Eignungsgesprächen wurde ich als Teilnehmer für die WorldSkills ausgewählt.
Jara Galli: Da mein Branchenverband nicht am Wettbewerb an den Swiss­Skills teilnahm, startete ich an einem Qualifikationswettbewerb der Kosmetikbranche im Oktober 2025. Dabei konnte ich mich durchsetzen und mir meinen Startplatz an den WorldSkills sichern.

«D’REGION»: Wie bereitet ihr euch auf die WorldSkills vor? Wie sehen die Trainings aus?
Matthias Steiner: Ich bereite mich schon seit einiger Zeit auf die Weltmeisterschaften vor. Einerseits absolviere ich Trainingseinheiten mit dem mir vom Berufsverband zugewiesenen Experten. Diese finden im Kurszentrum von Suisse-
tec in Lostorf statt und dauern jeweils eine ganze Woche. Zudem trainiere ich auch zu Hause und verfeinere im Betrieb meine Fertigkeiten. Auch mental bereite ich mich auf die grosse Aufgabe vor – mit der Unterstützung meines Mentalcoaches.
Jara Galli: Mit meiner Trainerin Carla Calderari übe ich ungefähr alle zwei Wochen einen ganzen Tag lang. Sobald der Wettkampf näher rückt, werden wir dann wöchentlich trainieren. Ich übe jeweils an Models und versuche mich in den Punkten Geschwindigkeit, Genauigkeit und Technik zu verbessern. An den Meisterschaften wird auch auf den Umgang mit den Models geachtet. Da die Meisterschaften in Englischer Sprache durchgeführt werden, unterhalte ich mich mit den Models bereits jetzt auf Englisch. Zudem übe ich zuhause und natürlich auch bei der Arbeit. Zudem absolviere ich für das Training auch Schulungen und Weiterbildungen, welche mir zusätzlich auch in meinem Job helfen.

«D’REGION»: Welche Ziele strebt ihr an?
Jara Galli: Eine Platzierung unter den Top 3 halte ich in meinem Skill für unrealistisch. Viele Länder aus dem asiati­schen Raum sind sehr stark in der «Beauty Therapy». Dort hat der Beruf einen ganz anderen Stellenwert und die Berufsförderung ist eine ganz andere als in der Schweiz. Ich strebe eine Platzierung unter den Top 6 der Welt an und möchte die Nummer 1 bei den Vertretern/-innen aus den europäischen Ländern werden. Grundsätzlich will ich aber einfach sagen können, dass ich mein Bestes gegeben habe. Ich bin sehr ehrgeizig und auch etwas perfektionistisch und könnte wohl immer noch mehr wollen. Aber solange ich mein Bestes gebe, werde ich damit sicher zufrieden sein.
Matthias Steiner: Ich habe mir als Ziel gesetzt, meine bisherige Bestleistung zu zeigen, und hoffe, dass sich die gute Vorbereitung und die vielen Trainings auszahlen werden. Ausserdem will ich den Wettkampf und den Austausch mit den Teilnehmenden aus den vielen verschiedenen Nationen geniessen. Zudem freue ich mich darauf, mit dem gesamten SwissSkills National Team einen fairen und stimmungsvollen Wettkampf zu absolvieren.

«D’REGION»: Worauf freut ihr euch am meisten in Bezug auf den Wettkampf in Shanghai?
Matthias Steiner: Das lässt sich kaum auf einen Punkt eingrenzen. Für mich ist es die ganze Wettkampf: die Eröffnungs- und die Schlussfeier sowie der Austausch mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern in meinem Beruf. Zudem sind für mich auch die Zeit mit dem SwissSkills National Team und die Unterstützung, welche mir meine Familie und mein Arbeitgeber entgegenbringen, sehr motivierend und wertvoll.
Jara Galli: Es wird sicher eine sehr intensive Woche. Wir reisen bereits für eine Vorbereitungswoche vor dem eigentlichen Wettkampf an. Dabei können wir das Team und die Umgebung kennenlernen und auch die Halle besichtigen, in welcher wir antreten werden. Die Eröffnungszeremonie wird sicher ebenfalls sehr beeindruckend sein. Am meisten freue ich mich aber eigentlich auf die Arbeit selbst. Wir werden ganze vier Tage antreten. Ich kann meine Nervosität jeweils ablegen, sobald ich mich voll auf meine Aufgabe konzentriere. Nach der Schlusszeremonie fliegen wir mit dem Team für zwei Tage nach Hongkong, was sicher auch spannend wird.

«D’REGION»: Hast du einen Tipp für Jugendliche in der Berufswahlphase und ihre Eltern?
Jara Galli: Mein Tipp geht vor allem an die Eltern: Unterstützt eure Kinder bei dem, was sie machen wollen. Wenn ich nicht so einen tollen Support von meinen Eltern gehabt hätte, wäre ich heute bei Weitem nicht so 
erfolgreich. 
Den Jugendlichen würde ich raten, auf ihr Bauchgefühl zu hören und, wenn sich ein Weg nicht richtig anfühlt, auch einen Wechsel im Werdegang in Erwägung zu ziehen.

Interview: Rosie Schenk
Bilder: zvg


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