Rücktritt von Elisabeth Zäch per Ende 2025
14.01.2026 Burgdorf, Burgdorf, Kultur, Gesellschaft, AktuellElisabeth Zäch, die bekannte und langjährige Burgdorfer Politikerin, ist per Ende 2025 als Stiftungsrätin der Stiftung Schloss Burgdorf zurückgetreten. «Für mich ist die Zeit gekommen, einer jüngeren Person den Platz zu überlassen», erklärt die alt Burgdorfer-Stadtpräsidentin ihre Beweggründe gegenüber der Zeitung «D’REGION».
Die Stiftung Schloss Burgdorf wurde im Jahr 2016 ins Leben gerufen. Sie ist die Besitzerin des rund 800-jährigen Baudenkmals und hat das Projekt «Schloss für alle» mit der Kombination aus Jugendherberge und Restaurant sowie Museum und städtischem Trauungszimmer realisiert und die dafür notwendigen Mittel aufgewendet. Die Aufgabe der Stiftung besteht darin, das Schloss für zukünftige Generationen zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Während der Kanton mit Geldern aus dem Lotteriefonds den Gebäudeunterhalt übernimmt, bleibt die Stiftung für die Infrastruktur des umgenutzten Schlosses verantwortlich.
Elisabeth Zäch gehörte dem Stiftungsrat von Beginn weg an und setzte sich zudem in ihrer Tätigkeit als Stadtpräsidentin von 2009 bis 2016 und Grossrätin von 2010 bis 2017 stets mit viel Herzblut für das Projekt ein. Stiftungsratspräsident Markus Meyer würdigt ihr Engagement mit folgenden Worten: «Mit ihrer visionären Kraft wurde Elisabeth Zäch zum Motor hinter dem Projekt ‹Schloss für alle›. Ohne ihren unermüdlichen Einsatz wären die umfassende Sanierung, Modernisierung und Neunutzung des Schlosses kaum denkbar gewesen. Mit Beharrlichkeit, Überzeugungskraft und einem starken Netzwerk trug sie massgeblich dazu bei, die nötigen rund 20 Millionen für das Projekt zu sichern. Die Stiftung Schloss Burgdorf und die ganze Region verdanken Elisabeth Zäch viel.»
Eine Erfolgsgeschichte für das Museum ...
Das Projekt stellt eine Erfolgsgeschichte dar – sowohl das Museum Schloss Burgdorf als auch der Verein Schweizer Jugendherbergen ziehen von den ersten Jahren ein positives Fazit. «Seit der Eröffnung im Sommer 2020 haben sich die Zahlen der Besuchenden sehr erfreulich entwickelt», teilt Museumsleiterin Flavia Muscionico auf Anfrage der Zeitung «D’REGION» mit. «Bereits im ersten Jahr übertraf das Museum mit 23 600 Eintritten die in der Leistungsvereinbarung mit Kanton, Stadt und Region festgelegte Zielvorgabe von 20 000 Besuchenden. Nach einem leichten Rückgang im Jahr 2024, bedingt durch die vorübergehende Schliessung von Museum und Restaurant nach einem Küchenbrand, erreichte das Museum 2025 mit rund 28 000 Eintritten einen neuen Höchststand. Zusätzlich besuchen uns jährlich über 200 Schulklassen für Führungen und Workshops. Die Zahlen zeigen, dass das Museum guten Anklang findet. Uns ist es ein grosses Anliegen, dass die Besucher/innen gerne wiederkommen und das Museum als relevanten, offenen und einladenden Ort erleben.» Die zentrale Herausforderung, so Flavia Muscionico, bestehe darin, langfristig attraktiv zu bleiben. Dafür brauche es ein vielseitiges Programm sowie ausreichende finanzielle und personelle Ressourcen. Ein wichtiges Anliegen sei zudem die ökologische, ökonomische und soziale Ausgestaltung des Museumsbetriebs.
... und die Jugendherberge
Die Schweizer Jugendherbergen zeigen sich ebenfalls äusserst zufrieden. «Die Jugendherberge Schloss Burgdorf mit 115 Betten wurde von Anfang an sehr gut gebucht und die Anzahl Logiernächte lag über den Erwartungen. Dennoch konnten die Übernachtungen im Vergleich zur Anfangsperiode nochmals um rund 6 Prozent gesteigert werden», gibt Mediensprecher André Eisele Auskunft. «Die Lage im Emmental, in einem historischen Schloss und zugleich in unmittelbarer Nähe zur Stadt Bern, erweist sich als äusserst gefragt. Auch die vielen positiven Rückmeldungen der Gäste stimmen uns zuversichtlich.» Übernachtungen von Familien machen rund 40 Prozent aller Logiernächte aus, 30 Prozent der Gäste sind Schulen und Gruppen, weitere 30 Prozent Einzelreisende oder Paare. Das Restaurant Schloss Burgdorf erfreut sich gemäss André Eisele insbesondere am Abend grosser Beliebtheit. Der Bankettservice wird rege für Firmenanlässe, Events, Hochzeiten und Geburtstagsfeiern genutzt. Künftig sollen vermehrt Themenanlässe wie Oster- oder Muttertagsbrunch, Grillabende, Metzgete und Ähnliches durchgeführt werden. Zudem ist geplant, die Terrasse zu vergrössern, sodass im Sommer mehr Gäste im Freien sitzen können. «Wir sind zuversichtlich, die Frequenzen der Besuchenden insbesondere tagsüber noch optimieren zu können,» hält André Eisele fest.
Im Gespräch mit Elisabeth Zäch
Das «Schloss für alle», das Elisabeth Zäch in entscheidender Weise mitgeprägt hat, wird hoffentlich noch viele Jahrhunderte überdauern. Die Zeitung «D’REGION» unterhielt sich mit ihr über die Vorgeschichte, die Projektmeilensteine sowie über den schönsten Platz im Schloss und ihre Lieblingsobjekte im Museum.
«D’REGION»: Wenn Sie heute das belebte Schloss Burgdorf besuchen – was empfinden Sie dabei?
Elisabeth Zäch: Ich verspüre eine riesige Dankbarkeit. Das «Schloss für alle» konnte nur realisiert werden, weil so viele Menschen an dieses Projekt glaubten, sich dafür auf vielfältige Weise einsetzten und mitanpackten. Das Schloss Burgdorf ist für mich ein wunderbares Beispiel dafür, dass man ungemein viel erreichen kann, wenn man sich gemeinsam engagiert und zusammen für etwas kämpft – manchmal lässt sich sogar scheinbar Unmögliches verwirklichen. Der damalige Enthusiasmus und die Begeisterung bewegen mich bis heute. Viele Persönlichkeiten trugen entscheidend zum Gelingen des Projekts bei: etwa Andreas Marti (†), der bis zum Abschluss des politischen Prozesses als Projektleiter amtierte, Urs Weber, der von 2017 bis 2024 als Geschäftsführer der Stiftung Schloss Burgdorf tätig war, sowie Michael Gerber (†), kantonaler Denkmalpfleger. Ihnen und unzähligen weiteren Personen bin ich zu grossem Dank verpflichtet.
Besonders gerne beobachte ich den regen Betrieb: Kinder, die lachend auf dem Schlosshof herumtollen, Schülerinnen und Schüler, die das Museum besuchen, Seniorinnen und Senioren, die ihr E-Bike parkieren, Backpackers, welche in die Jugendherberge einchecken, und Gruppen, die im Restaurant das Zusammensein geniessen. Diese Vielfalt ist wunderbar – eine solche Durchmischung strebte das Projekt «Schloss für alle» immer an.
«D’REGION»: Aus welchen Gründen sind Sie per Ende 2025 aus dem Stiftungsrat der Stiftung Schloss Burgdorf zurückgetreten?
Elisabeth Zäch: Ich kündigte schon lange an, mich mit 70 Jahren aus allen offiziellen Ämtern zurückzuziehen. Dieses Alter habe ich mittlerweile leicht überschritten. Es ist wichtig, dass junge Menschen die Chance erhalten, Verantwortung zu übernehmen, neue Ideen zu lancieren und zu verwirklichen. Deshalb erachte ich es als wichtig, dass die ältere Generation ab einem bestimmten Zeitpunkt für Jüngere Platz macht. Der Abschied fällt mir umso leichter, da sich das «Schloss für alle» hervorragend entwickelt. Zudem hat mit der Historikerin und Germanistin Simone Wahli eine motivierte junge Frau meine Nachfolge im Stiftungsrat angetreten. Selbstverständlich bin ich – abseits der institutionellen Gremien – gerne bereit, weiter mitanzupacken und bei Projekten mitzuwirken, wie etwa bei der Schlossgala, einem Benefizanlass am 28. März 2026. Mein Herz wird immer für das Schloss und die Stadt Burgdorf brennen.
«D’REGION»: Als sich im September 2006 abzeichnete, dass die kantonale Verwaltung aus dem Schloss Burgdorf ausziehen wird, plante der Kanton, die Zähringeranlage zu veräussern – ebenso wie andere Schlösser, die als Verwaltungsstandorte dienten. Wie erlebten Sie diese Diskussionen?
Elisabeth Zäch: Damals ging ein grosser Aufschrei durch alle betroffenen Regionen. Franz Haldimann amtierte als Stadtpräsident, ich war Gemeinderätin. In Burgdorf und im Emmental regte sich breiter Widerstand gegen die Pläne des Regierungsrats, ein Bauwerk von nationaler Bedeutung verscherbeln zu wollen. Gemeinsam standen verschiedene Akteure auf die Hinterbeine, um sicherzustellen, dass das Schloss nicht einfach an den Meistbietenden verkauft wird. Der Regierungsrat sah sich angesichts des Protests genötigt, zurückzurudern. Plötzlich hiess es, ein Verkauf auf dem freien Markt habe nie zur Debatte gestanden. Später unterbreitete der Kanton der Stadt Burgdorf als Standortgemeinde eine exklusive Offerte für den Erwerb des Zähringerschlosses. Dieses Angebot schlugen wir zu Recht aus, die Stadt hätte diese Last unmöglich alleine tragen können. Für uns war klar, dass sich der Kanton nicht so einfach aus seiner Verantwortung stehlen durfte, sondern ein gemeinsames Konzept für die Zukunft des Schlosses entwickelt werden musste.
Nach langwierigen und teils auch gehässigen Diskussionen klappte es dann doch: Stadt und Kanton beschritten im Jahr 2010 den partnerschaftlichen Weg mit einem öffentlich ausgeschriebenen Evaluationsverfahren, aus dem das geniale Projekt «Offenes Schloss» des Ateliers G+S aus Burgdorf siegreich hervorging. Dieses sah einen Mix aus verschiedenen Nutzungen vor, die sich gegenseitig stützen. 2017 erfolgte mit dem Spatenstich ein grosser Meilenstein zur Realisation. Die Eröffnung des «Schlosses für alle» fand im Jahr 2020 statt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten entwickelte sich der Kanton zum geschätzten Partner, der das Schloss bis heute mitträgt und grosszügig unterstützt.
«D’REGION»: Erachten Sie Ihr Engagement für das Schloss im Rückblick als wichtigste Ihrer Exekutivtätigkeiten?
Elisabeth Zäch: Das Schloss war lange Zeit eines meiner grössten Sorgenkinder – diese liegen einem bekanntlich ganz besonders am Herzen. Die Beschaffung der finanziellen Mittel erwies sich keineswegs als leicht. Es musste viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, um aufzuzeigen, dass das Projekt zum Fliegen gebracht werden kann. Ich stand aber immer mit voller Überzeugung hinter dem Konzept und hegte nie Zweifel, obwohl sich der Weg – wie der Aufstieg auf den Schlosshügel – manchmal als beschwerlich erwies. Die breite Solidarität und Unterstützung von vielen Seiten – der Burgergemeinden Bern und Burgdorf, der Emmentaler Gemeinden, der KMUs, der vielen privaten Spender/innen, der Stadtverwaltung sowie der Jugendherberge und des Museums – bildeten die Voraussetzung für den Erfolg.
Aber auch andere Projekte beschäftigten mich sehr. Während meiner Exekutivtätigkeit standen neben dem Schloss auch das Kornhaus und das Schlachthaus leer. Diese Situation war herausfordernd, eröffnete aber zugleich Gestaltungsmöglichkeiten. Das Entwickeln von Ideen und Umsetzen von Projekten bereitete mir viel Freude. Zudem nahm mich das Thema Fachhochschule sehr in Anspruch.
«D’REGION»: Welches ist für Sie der schönste Platz auf Schloss Burgdorf?
Elisabeth Zäch: Dies ist vermutlich der Assisensaal, der ehemalige Geschworenen-Gerichtssaal – vor allem aufgrund seiner literaturhistorischen Bedeutung. Dies hängt natürlich mit meinem Hintergrund als Buchhändlerin und ehemalige Programmchefin der Burgdorfer Krimitage zusammen. Der Assisensaal stellt nämlich einen der zentralen Handlungsorte im Roman «Die Schattmattbauern» von C. A. Loosli dar. Dieser gilt als erster Schweizer Krimi von hoher literarischer Qualität, verhalf dem Genre zu viel Anerkennung und inspirierte weitere grosse Schriftsteller wie Friedrich Glauser und Friedrich Dürrenmatt. Immer, wenn ich den Assisensaal betrete, kommen mir «Die Schattmattbauern» in den Sinn.
«D’REGION»: Welche Objekte im Schlossmuseum sprechen Sie besonders an?
Elisabeth Zäch: Zu meinen Lieblingsgegenständen gehören die Laternen von Werner Haueter in der grossen Halle. Dieser verdiente seinen Lebensunterhalt als Knecht im Emmental und frönte mit dem wenigen Geld, das er besass, seiner grossen Leidenschaft: Er sammelte Laternen aller Art sowie weitere Gegenstände. Als er in ein Altersheim ziehen musste, vermachte er unentgeltlich zahlreiche seiner Objekte dem Rittersaal-Verein – und erhielt im Gegenzug das Recht, das damalige Schloss-Museum kostenlos zu besuchen. Diese Gelegenheit nahm er immer wieder wahr, bis er im Jahr 2001 verstarb. Nun hat ein Teil seiner Sammlung ebenfalls Eingang in das «Schloss für alle» gefunden. Wenn ich jeweils den leuchtenden Schein seiner Laternen sehe, berührt mich dies sehr. Es freut mich, dass seine Schätze einen bleibenden Platz gefunden haben.
Solche Anekdoten zeichnen das Schloss Burgdorf für mich aus. Jeder Gegenstand, jeder Raum, jede Ecke hat eine ganz besondere Bedeutung und erzählt eine faszinierende Geschichte - von unterschiedlichen Menschen aus verschiedenen Zeiten unter wechselnden wirtschaftlichen Bedingungen und politischen Konstellationen. Deshalb lohnt es sich, Sorge zu unseren Kulturdenkmälern zu tragen und diese zu erhalten. Sie verbinden uns mit der Vergangenheit, erden uns und stellen unsere Wurzeln dar. Aus dem Historischen und Alten lässt sich auch Neues
schöpfen.
«D’REGION»: Wenn Sie für das Schloss Burgdorf einen Wunsch frei hätten – wie würde dieser lauten?
Elisabeth Zäch: Ich wünsche mir, dass weiterhin ganz viele Menschen das Schloss besuchen, ihren Aufenthalt hier geniessen, spannende und bereichernde Begegnungen erleben und viel Wissenswertes erfahren – und aufgrund ihrer Erlebnisse zu Fans der Stadt Burgdorf und des Emmentals
werden.
Text und Interview: Markus Hofer

