Schule Neumatt: Kauf eines Holzbauprovisoriums
27.05.2026 Burgdorf, Burgdorf, Gesellschaft, Politik, Bildung / SchuleAn der Stadtratssitzung vom 18. Mai 2026 fanden sich im Gemeindesaal im Kirchbühl insgesamt 38 Stadträtinnen und Stadträte ein. Das absolute Mehr lag somit bei 20 Stimmen. Stadtratspräsident Adrian Merz (Grüne) begrüsste zwei neue Ratsmitglieder: Kristina Shafigina (SVP), welche die Nachfolge von René Marti antritt, und Tobias Vogel (Grüne), welcher den Platz des weggezogenen Simon Reusser einnimmt. Insgesamt standen dreizehn Traktanden auf der Tagesordnung. Nicht traktandiert waren das Reglement über den Klimaschutz und die Spezialfinanzierung Klima. Für dieses Geschäft hatte der Stadtrat an seiner letzten Sitzung im März 2026 aufgrund der zahlreich eingegangenen Abänderungsanträge eine
zweite Lesung verlangt. Der zuständige Gemeinderat Theophil Bucher (Grüne), Hochbau und nachhaltige Entwicklung, erklärte, dass das «Klimareglement» aus personellen Ressourcengründen voraussichtlich erst nach dem Sommer im Rat zur Diskussion gestellt wird.
Provisorium Neumatt
Viel zu diskutieren gab im Burgdorfer Stadtparlament das dringend notwendige Provisorium zur Schaffung von zusätzlichem Schulraum in der Primarschule Neumatt. Die Schulanlage ist sanierungsbedürftig und platzt aus allen Nähten. Der zusätzliche Raumbedarf resultiert unter anderem aus den steigenden Schülerinnen- und Schülerzahlen infolge Zuzügerfamilien in der neuen Überbauung Burgermatte. Mittelfristig sind Erweiterungs- und Sanierungslösungen geplant. Aufgrund der komplexen Anforderungen des Überbauungsplans sind dafür aber umfangreiche Vorabklärungen notwendig. Ein Landabtausch mit dem Kanton ist vorgesehen und befindet sich kurz vor Vertragsabschluss.
Der Leidensdruck in der Primarschule Neumatt ist gross. Teilweise findet der Unterricht in Kellerräumen statt. Täglich werden Kinder mit Schulbussen ins Schulhaus Schlossmatt transportiert. Zudem wird behelfsmässig ein abgetrennter Raum für eine Kindergartenklasse in der Tagesschule Neumatt eingerichtet.
Gemeinderat Theophil Bucher betonte die Dringlichkeit einer Übergangslösung. Ein Provisorium mit zusätzlichem Schulraum müsse bis im Sommer 2027 bereitstehen. Im Vorfeld der Stadtratsdebatte hatte der Gemeinderat verschiedene Varianten geprüft. Er stellte den Antrag, einen Metallcontainer mit zwei Etagen für fünf Jahre zu mieten – mit vier Klassen- oder Kindergartenräumen sowie mit je einem Gruppen-, Putzraum und WC-Anlagen pro Etage. Die Gesamtkosten dafür wurden mit 1,77 Millionen Franken veranschlagt, für Bauvorbereitung, Mietkosten für fünf Jahre, Möblierung, Demontage Container und Rückbauarbeiten. Gemäss Vorabklärungen wird die Errichtung des Gebäudes am geplanten Standort voraussichtlich nur unter Auflagen – mit einer Nutzungsbefristung – bewilligt. Deshalb wurde die Mietvariante vorerst für fünf Jahre vorgeschlagen.
Theophil Bucher betonte, der Gemeinderat habe bewusst eine rasch realisierbare und kostengünstige Vorlage erarbeitet – im Bewusstsein, dass es sich nicht um eine Ideallösung handle. Das Geschäft sei mit Unwägbarkeiten verbunden, da auch nach fünf Jahren die Schulraumproblematik in der Neumatt weiter bestehe. Fasse man die Nutzung des Provisoriums über einen längeren Zeitraum ins Auge, komme eine Kauflösung günstiger als die Mietvariante. Als Alternative bei einer längeren Nutzungsdauer biete sich eine mobile Holzbaulösung an. Diese bringe aus bildungspolitischer Optik viele Vorzüge mit sich, weise eine bessere CO2-Bilanz auf und verfüge über eine längere Lebensdauer. Sie könnte, so Theophil Bucher, später an weiteren Standorten eingesetzt werden.
Zum Geschäft wurden zwei Änderungsanträge eingereicht. Grüne und EVP beantragten einen Verpflichtungskredit für den Kauf eines Holzbauprovisoriums und die Anschaffung des notwendigen Mobiliars mit Kosten von 3 972 650 Franken. Tobias Vogel (Grüne) begründete den Antrag mit besseren Unterrichtsbedingungen, der Wiederverwendbarkeit und der längeren Lebens- und Einsatzdauer des Holzbaus. Beryll Veraguth (EVP) ergänzte, es handle sich um eine Investition in die Zukunft und die Jugend, die sich lohne. Die SP-Fraktion plädierte für ein Holzprovisorium zur fünfjährigen Miete mit späterer Kaufoption, zog ihren Antrag allerdings nach einer kurzen Sitzungspause zugunsten des Vorschlags der Grünen und der EVP zurück. Fabian Käsermann hob seitens der SP ebenfalls die Vorteile eines Holzbaus punkto Ökologie und Schulqualität gegenüber dem Metallcontainer hervor. Die Arbeitsplatzbedingungen seien angesichts des Lehrermangels ein wichtiges Auswahlkriterium, das für den Holzbau spreche. Auch die GLP präferierte die Holzbau-Lösung, da diese betreffend Raumqualität, Lehrbedingungen, ökologischen Kriterien und Lebensdauer besser abschneide.
Die bürgerlichen Parteien sprachen sich für die vom Gemeinderat vorgeschlagene Metallcontainer-Lösung aus, welche die Stadtkasse schone. Roger Aebi (Die Mitte) wies auf die enormen Mehrkosten des Holzbaus hin, der nur als Provisorium diene. Eine weitsichtige Schulraumplanung sei notwendig, um künftig kostspielige Provisorien zu vermeiden. Hermann Dür (SVP) favorisierte das Metallprovisorium zum einen aus Budgetgründen, zum andern, weil es nicht sinnvoll sei, sich langfristig an ein Objekt zu binden, das als Übergangslösung angedacht sei. Jürg Kämpf (FDP) bezeichnete die Debatte als chaotisch und kritisierte, dass unterschiedliche Zahlen über Kosten der verschiedenen Varianten im Raum stünden. Eine Holzbau-Lösung von knapp 4 Millionen Franken für 4 Klassenzimmer sei verfehlt. Jonas Lauwiner betonte, Bildung sei ihm ein wichtiges Anliegen, riesige Beträge in ein Provisorium zu investieren lohne sich aber nicht.
Michael Ritter, Vorsteher Bildungsdirektion, informierte den Stadtrat unmittelbar vor der Abstimmung, dass der Gemeinderat kurzfristig entschieden habe, den Abänderungsantrag von Grüne- und EVP-Fraktion zu unterstützen.
Der Abänderungsantrag «Kauf eines Holzbauprovisoriums» setzte sich mit 23 Ja-Stimmen gegen 15 Nein-Stimmen durch.
Sporthalle Lindenfeld, Sanierung Hallenboden und Lüftung
Bei der 1981 in Betrieb genommenen Sporthalle Lindenfeld ist der Hallenboden stark sanierungsbedürftig und die Fussbodenheizung in die Jahre gekommen. Diverse Notreparaturen wurden in den vergangenen Jahren ausgeführt. Im Zuge einer Sanierung müsste auch die Lüftung erneuert werden. Der Gemeinderat stellte den Antrag, für Planung und Ausführung der Sanierungsmassnahmen einen Investitionskredit von 1 565 000 Franken zu genehmigen. Theophil Bucher orientierte, die Sanierungsmassnahmen erforderten die Schliessung der Sporthalle von den Frühlingsferien 2027 bis Ende der Herbstferien 2027. Eine weitere Komprimierung der Bauzeit ist nicht möglich. Diese Schliessung von einem halben Jahr ist für die Primarschule und die Kindergärten Lindenfeld schwierig und für die Sportvereine ganz besonders herausfordernd. Obwohl ausgiebig nach Überbrückungsoptionen gesucht wurde, stehe keine Patentlösung für alle Nutzenden in Aussicht.
Die SVP-EDU-, GLP-, FDP-, Die Mitte-, Grüne- und SP-Fraktion sowie Jonas Lauwiner reichten einen überparteilichen Rückweisungsantrag ein und forderten den Gemeinderat auf, die Vorlage nochmals zu überarbeiten und aufzeigen, wie während der Sanierungsphase mittels Koordinationsmassnahmen eine ausreichende Nutzung für Schule und Vereine sichergestellt werden kann.
Als einzige Partei lehnte die EVP den Rückweisungsantrag ab. Sicherlich liessen sich mit gegenseitiger Solidarität kreative Lösungen für die Übergangszeit während der Sanierung finden, hielt Esther Liechti-Lanz fest.
Jonas von Allmen wies namens der SVP-EDU-Fraktion auf das eigentliche Problem hin, dass zu wenig Turnhallen für die Vereine zur Verfügung stehen und sich durch notwendige Sanierungen Engpässe verschärfen. Eine Option stelle die Errichtung einer neuen Ballsporthalle dar, für die sich verschiedene Vereine einsetzen. Eine dringliche Motion zum Thema sei eingereicht worden. Die SP-Fraktion unterstützte den Antrag, damit nochmals alle Optionen geprüft werden können.
Der Rückweisungsantrag wurde mit 36 Ja- gegen 2 Nein-Stimmen angenommen.
Hochwasserschutzprojekt kleine Emme
Gemeinderat Francesco Rappa erläuterte den Kreditantrag Hochwasserschutzprojekt Kleine Emme. Der Projektperimeter umfasst einen rund 500 Meter langen Abschnitt von der Brücke Wynigenstrasse (Wasserkraftwerk Uhlmann) bis und mit der Brücke Typonweg. Die notwendige und geforderte Abflusskapazität sei nicht mehr vollumfänglich gegeben – deshalb wolle der Gemeinderat vorsorglich handeln, bevor ein Schadenfall eintrete. Der Massnahmenkatalog umfasst eine Vergrösserung des Abflussquerschnitts, Anpassung und teilweise Verlegung des Bachbetts, Schutzmassnahmen für gefährdete Liegenschaften und als zentrales Element der Ersatz der Typonbrücke. Das Projekt verbindet Sicherheit mit ökologischer Aufwertung. Die Bruttokosten betragen 787 000 Franken – Bund und Kantone übernehmen rund 60% der subventionsberechtigten Kosten, sodass sich die Netto-Restkosten für die Stadt Burgdorf auf 490 500 Franken belaufen. Der Stadtrat bewilligte den Kredit einstimmig.
Sanierung und Umgestaltung Neumattstrasse
Weiter stellte Francesco Rappa das Ausführungsprojekt Sanierung und Umgestaltung Neumattstrasse mit einem Investitionskredit über total 1 257 000 Franken vor. Die Strasse befindet sich in einem schlechten Zustand. Gleichzeitig besteht Sanierungsbedarf bei den Werkleitungen. Es gehe um die Sicherheit, Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit eines ganzen Quartiers, hielt Francesco Rappa fest.
Ausgehend von der Strassensanierung soll der gesamte Strassenraum neu gestaltet werden. Die Umgestaltung zielt darauf ab, die bestehende Begegnungszone nachhaltig zu akzentuieren und die Sicherheit zu verbessern. Es sind Entsiegelungsmassnahmen, zusätzliche Grünflächen und die Pflanzung von 17 Bäumen vorgesehen – also ein Beitrag zur Klimapolitik. Die neue Beleuchtung erlaubt eine individuelle Steuerung und Dimmung.
Der Stadtrat genehmigte das Geschäft mit 37 Ja-Stimmen gegen eine Nein-Stimme.
Weitere Traktanden
Der Auftrag der SP-Fraktion betreffend Entsorgungsboxen für Pizzakartons wurde einstimmig angenommen und gleichzeitig abgeschrieben. Je ein neuer Behälter wird an der Schmiedengasse 2 sowie beim Radweg Schützenmatt montiert. Nach zwei Jahren wird über weitere Standorte oder eine Aufhebung entschieden.
Die SP-Fraktion reichte weiter den Auftrag ein, die Schaffung eines digitalen Sport-Finders für Burgdorf zu prüfen. Das Online-Tool soll eine benutzerfreundliche Übersicht über das gesamte Sport- und Bewegungs-
angebot bieten. Ein ähnliches Tool existiert in der Stadt Thun. Der Gemeinderat bezeichnete den Vorschlag als wünschenswert. Er empfahl, die Erkenntnisse aus Thun abzuwarten und parallel die Möglichkeiten auf der städtischen Website zu prüfen und gegebenenfalls weiterzuverfolgen. Der Auftrag wurde mit 31 Ja- gegen 6-Nein-Stimmen bei einer Enthaltung angenommen.
Die SVP-EDU-Fraktion reichte den Auftrag ein, das Sportleitbild aus dem Jahr 2010 zu überarbeiten und den aktuellen Bedürfnissen anzupassen. Zugleich sollen konkrete Massnahmen zur Sportförderung definiert werden. Gemeinderat Michael Ritter (GLP) wies daraufhin, dass diesbezügliche Arbeiten bereits im Gang seien und Teile des Auftrags schon erarbeitet wurden. Der Gemeinderat erachtet es dennoch als wichtig, den Auftrag zu überweisen. Dies wurde einstimmig angenommen.
Eklat bei Pissoir-Debatte
Jonas Lauwiner reichte einen Auftrag betreffend Aufhebung Pissoirverzicht in Toiletten von Schulhausneu- und -umbauten ein, in der Absicht, einen Entscheid des Stadtrats vom November 2024 umzustossen. Damals überwies die Mehrheit des Parlaments einen Auftrag der Grünen und SP mit einem künftigen Verzicht auf Pissoirs in Schulen. In einer ausführlichen Stellungnahme empfahl der Gemeinderat den Auftrag von Jonas Lauwiner zur Annahme. Bei der Diskussion war die Stimmung gereizt: Seitens der Geschäftsprüfungskommission wies Yves Greisler (Die Mitte) daraufhin, dass es nicht den demokratischen Gepflogenheiten entspreche, in der gleichen Legislaturperiode einen bereits behandelten Gegenstand in abgewandelter Form wieder vor das Parlament zu bringen. Damit würden unnötige personelle und finanzielle Ressourcen gebunden. Jonas Lauwiner betonte die Wichtigkeit des Themas – es sei immer möglich, einen schlechten Entscheid zu revidieren. Während seinen Ausführungen, in denen er die Judenverfolgung im Dritten Reich streifte und mit Äusserungen zu den Geschlechtern polarisierte, kam es zum Eklat: Aus Protest verliessen Mitglieder von SP, Grüne und EVP den Saal. Jonas Lauwiners Antrag wurde schliesslich mit 20 Nein-Stimmen zu 12 Ja-Stimmen bei 6 Enthaltungen abgelehnt. Stadtpräsident Stefan Berger führte aus, dass der Entscheid des Stadtrats keine Rolle spiele: Die Ausstattung der sanitären Anlagen bei einem Bauprojekt liege in der Kompetenz des Gemeinderats.
Die Grüne-Fraktion reichte eine Interpellation betreffend gleichberechtigte Sichtbarkeit von Frauen im Burgdorfer Strassenbild ein. Keine einzige Strasse sei nach einer Frau benannt. Bei neuen Wegen und Plätzen soll künftig, so die Stellungnahme des Gemeinderats, bei der Namensgebung die Sichtbarkeit von Frauen berücksichtigt werden.
Zum Schluss verabschiedete der Stadtrat Shana Kuster, FDP. Sie verlässt den Rat, weil sie aus Burgdorf wegzieht. Jürg Kämpf dankte ihr namens der Partei und des Rats für ihr Engagement.
Text und Bild: Markus Hofer

