Sporthallen, Schulraum und Stadtplanung beschäftigten den Stadtrat
23.09.2026 Burgdorf, Bildung / Schule, Aktuell, Gesellschaft, Burgdorf, PolitikStadtratspräsident Adrian Merz begrüsste den Gemeinderat (GR), 39 Mitglieder des Stadtrats (SR) und auf der Tribüne so viele Besucher/innen, dass diese wohl einen neuen Besucherrekord aufstellten. Sportler/innen aus verschiedenen Sportvereinen standen mit ihrer Anwesenheit für ein Thema ein, das sie alle betrifft – die Sporthallen.
In einer überparteilichen Motion beauftragten die SVP/EDU-, GLP-, FDP-, und die Mitte-Fraktion sowie Jonas Lauwiner den GR, eine Vorlage betreffend dem Bau einer zusätzlichen Ballsporthalle im Raum Lindenfeld zu unterbreiten. Die Realisierung sei mit hoher Dringlichkeit zu behandeln, denn schon jetzt seien die städtischen Turnhallen tagsüber von Schulen und abends durch Sportvereine vollständig ausgelastet. Durch die vorliegende Motion sollen die Ausfälle, die durch anstehenden Sanierungen der städtischen Turnhallen entstehen, mit der Schaffung zusätzlicher Kapazitäten koordiniert werden. Die Prüfung und die Realisierung einer Ballsporthalle sei als Teil einer nachhaltigen Gesamtstrategie voranzutreiben.
Der GR anerkennt die Bedürfnisse für zusätzlichen Sportraum und beantragte die Annahme der Motion. Für einen Grundsatzentscheid will er bis Ende 2026 eine Machbarkeitsstudie erarbeiten. Sie soll mögliche Standorte prüfen und Themen wie städtebauliche Verträglichkeit, baurechtliche Rahmenbedingungen und Bedürfnisse des Schulsports fachlich fundiert aufarbeiten.
Die Sprecher/innen der Fraktionen unterstützten die Motion, wiesen aber auf die Dringlichkeit hin. Jürg Kämpf (FDP) schloss sein Votum mit dem Satz: «Handelt balldynamisch, pragmatisch und vor allem lösungsorientiert». Die Motion wurde einstimmig angenommen und erntete damit kräftigen Applaus des Publikums.
Zonenplanänderungen im Lerchenbühl, der Aebimatte und Alpina
Lerchenbühl: Auf dem Areal des Lerchenbühls stehen neben Wohn- und Schulräumen diverse Werkstätten und eine Gärtnerei. Hier werden schulpflichtige Jugendliche mit Förderbedarf unterrichtet und in unterschiedlichen Wohnmodellen und -formen begleitet. Neben der Ausbildung in den Werkstätten und der Gärtnerei möchten die Verantwortlichen zusätzlich das lokale Gewerbe unterstützen. Damit fördern sie ein Netzwerk, welches zu einer langfristigen Eingliederung der Schüler/innen in die Berufswelt führen soll. Aufgrund der alten Gebäude und der neuen Ausrichtung hat die Stiftung Lerchenbühl ein Bebauungskonzept erarbeitet, das in den nächsten Jahren umgesetzt werden soll.
Das Areal Lerchenbühl liegt gegenwärtig in der Zone für öffentliche Nutzung (ZöN) 1.1. die den Bau für Kindergärten, Schulen, Turnhallen, Kinderhorte und -krippen vorsieht. Die geplante Transformation braucht eine Anpassung auf ZöN 1.5, welche für Ausbildungsstätten sowie im Zusammenhang mit der Bildung stehenden Wohnräumen, Werkstätten, Gärtnereien und eingeschränkten gastgewerblichen Angeboten vorgesehen ist. Die Umzonung wird einstimmig genehmigt.
Aebimatte: Über die Schulraumplanung der Stadt Burgdorf wurde an dieser Stelle schon öfters berichtet. Die Analyse der bestehenden Schulbauten und der pädagogisch-betrieblichen Anforderungen hat ergeben, dass der Raumbedarf für Schulklassen beim Schulstandort Gsteighof stark ansteigt. Für die Bereitstellung des zusätzlichen Raumbedarfs hat die Stadt Burgdorf die benachbarte Aebimatte auf der gemeindeeigenen Parzelle Nr. 1915 evaluiert. Für die Schulraumentwicklung hat die Aebimatte grosse Bedeutung, da sie eine provisorische oder langfristige Ausweichfläche und Erweiterungsmöglichkeiten bietet.
Da Schulanlagen in die ZöN 1.1 für öffentliche Nutzungen gehören, muss die Aebimatte umgezont werden. Der SR beschloss die Umzonung Aebimatte einstimmig.
Alpina: Das ganze Areal «Alpina» steht in einer Zone mit Planungspflicht (ZPP). Die Umzonung eines Teils des Areals soll den Grundeigentümer/innen die Entwicklung ihrer Liegenschaften ermöglichen, ohne gemeinsam eine UeO (Überbauungsordnung) erarbeiten zu müssen. Das betrifft drei Grundstücke entlang der Bernstrasse, welche in die dreigeschossige Mischzone M3b überführt werden sollen. Tobias Vogel (Grüne) stört sich daran, dass dieses Areal, angeblich eine der grösseren Hitzeinseln der Stadt, vor einer Umzonung nicht betreffend Anpassung an den Klimawandel überprüft wird. Es bestünden die Möglichkeiten für Entsiegelungen und Begrünungen. Er appellierte an den SR, Verantwortung zu übernehmen und darum nein zu sagen. Die anderen Fraktionen unterstützten seine Voten für die Grüne-Fraktion nicht. Die Umzonung erhielt Zustimmung mit 33 Ja- und 6 Nein-Stimmen.
Sparpotenzial – öffentliche Beleuchtung
Mit der Sanierung der öffentlichen Beleuchtung sind deutliche Energieeinsparungen möglich. Die Kosten beziffern sich auf rund 3,45 Millionen Franken, wie GR Francesco Rappa erklärte. In einer ersten Etappe konnte rund die Hälfte der öffentlichen Beleuchtung auf LED-Technologie umgerüstet werden. Ziel der zweiten Etappe sei es, sämtliche Leuchten auf die neueste LED-Technologie umzurüsten. Das erfordert bauliche Anpassung der Leuchten sowie eine Optimierung einiger Standorte.
Gleichzeitig wird die LED-Beleuchtung aller öffentlichen Strassen und Radwege mit einer modernen Steuerungseinrichtung ergänzt. Mit der Umsetzung dieses Sanierungsprojektes will die Stadt in den kommenden rund acht Jahren den Energieverbrauch und Lichtemissionen reduzieren, die Leuchten vereinheitlichen und den Unterhalt vereinfachen. Längerfristig sollte das zu einer Kostenoptimierung führen. Auf den Einwand von Jonas Lauwiner (König JL im Dienste für die Burgdorfer), man könne doch einfach die kaputten Lampen ersetzen, erklärte Rappa, Ersatzteile seien nicht mehr lieferbar. Der SR genehmigte die Sanierung öffentlicher Beleuchtung zweite Etappe und einen Investitionskredit von brutto 3,45 Millionen Franken mit 38 Ja- und einer Nein-Stimme.
Start der Ortsplanungsrevision der Stadt Burgdorf
Am 22. Juni 2026 stimmte der SR einem Rückweisungsantrag zur «Ortsplanungsrevision Stadt Burgdorf, Phase 1: Strategische Grundlage» zu. Die Notwendigkeit einer Ortsplanungsrevision sah der SR als gegeben, doch die Höhe des beantragten Kredits erhitzte die Gemüter. Das Projektvorgehen wurde überarbeitet. An der Ausgangslage hat sich jedoch nichts geändert.
Die Stadt Burgdorf hat in den kommenden Jahren diverse Herausforderungen zu meistern. Das Bevölkerungswachstum, steigender Siedlungsdruck aus dem Raum Bern, der Wandel von Wirtschaft und Mobilität sowie die Anforderungen aus Klima- und Energiepolitik führen zu komplexen Zielkonflikten. Zudem stehen für die nächsten Jahre Investitionen in Millionenhöhe an. Es ist nun dringend an der Zeit, die gültige baurechtliche Grundordnung aus dem Jahr 2005 zu aktualisieren. Das drängt sich auf, weil sich Rahmenbedingungen wie gesetzliche Vorgaben, der Wandel zur Siedlungsentwicklung nach innen sowie Anforderungen an Wohnen, Arbeiten, Mobilität, Nachhaltigkeit und Lebensqualität verändert haben.
Aufgrund der Rückweisung des Kreditantrags vergangenen Juni wurden gewisse Inhalte im Projekt überarbeitet die Kosten reduziert. Die Schätzung für externe Leistungen beläuft sich auf 670 000 Franken, also rund 191 000 Franken weniger als beim rückgewiesenen Kreditantrag. Dafür sind die internen Leistungen um 32 760 Franken auf 383 760 Franken gestiegen.
Der SR diskutierte über diesen Kreditantrag und über einen Optimierungsvorschlag von Hermann Dür (SVP) aus der SR-Sitzung vom Juni bzw. einen überparteilicher Änderungsantrag von Die Mitte, SVP/EDU, FDP von 500 000 Franken, der von den bürgerlichen Parteien favorisiert wurde. Die Mehrheit entschied sich mit 24 Ja- gegen 15 Nein-Stimmen für den Vorschlag des GR.
Das Projekt «Ortsplanungsrevision Stadt Burgdorf, Phase 1, Strategische Grundlage» wurde darauf mit 25 Ja-, 11 Nein-Stimmen und 3 Enthaltungen angenommen.
Sichtbarkeit von Frauen im Burgdorfer Strassenbild
Die Grüne-Fraktion reichte eine Motion für die Sichtbarkeit von Frauen im Strassenbild ein. Dass es immer aktive Frauen gab, zeigten die 100 Porträts aus vielen Jahrhunderten der Ausstellung «Burgdorfs Macherinnen» im Schloss Burgdorf. In Burgdorf gibt es keine einzige Strasse, die nach einer Frau benannt wurde. Die Grünen wollen mit dieser Motion die Sichtbarkeit von Frauen in Politik, Wissenschaft, Kirche und öffentlichen Ämtern würdigen.
GR Francesco Rappa erklärte, dass die Vergabe von Strassennamen in den Zuständigkeitsbereich des GR gehöre. Er zeigte sich jedoch kooperativ und offen für Vorschläge. Als Beispiel nannte er den Platz im Staldenkehr, der noch namenlos sei. Der GR sei in diesem Sinne bereit, die Motion als Postulat entgegenzunehmen. Sie wurde in ein Postulat umgewandelt und mit 36 Ja-, 2 Nein-Stimmen und einer Enthaltung an den GR überwiesen.
Sicherheit im Schulbus
Aktuell gibt der Schulbustransport zu reden. Die Grünen-Fraktion gelangte darum mit einer dringlichen Interpellation an den GR. Sie fordert Sicherheit, eine Evaluation und einen Blick in die nähere Zukunft. Der anhaltende Mangel an Schulraum verlangt Schüler/innen-Transporte vom Neumatt- ins Schlossmattschulhaus. Fürs kommende Schuljahr verschärft sich die Situation, weil eine zusätzliche Klasse transportiert werden muss. Um Konflikte zwischen den Kindern und die damit verbundene hohe Belastung für die Fahrer/innen zu mildern, wäre eine pädagogische Begleitung wünschenswert.
Auch dem GR ist die Sicherheit im Schulbusbetrieb oberstes Gebot. Rückmeldungen des Fahrpersonals und der Eltern werden darum ernst genommen und nach Möglichkeit verbessert. Eine zusätzliche erwachsene Person im Bus mitfahren zu lassen, sei nicht zielführend. Die Behörden vertrauen auf die Erfahrung des Buspersonals, auf ihre Durchsetzungsfähigkeit und ihr Fingerspitzengefühl. Sämi Knüsel (SP) zeigte sich befriedigt mit der Antwort.
Neuer Schulraum im Gyripark
Ein neues Primarschulhaus im Gyripark? Die Begleitgruppe Schulraumentwicklung sowie die Eltern und Erziehungsberechtigte wurden informiert, dass im Gebiet Gyripark der Bau eines neuen Schulhauses vorgesehen sei. Das warf bei der SP-Fraktion viele Fragen auf, die sie in einer Interpellation formulierten.
Der GR glättete die Wogen, denn bisher sei kein Schulhaus geplant, sondern es handle sich lediglich um eine Potenzialstudie. Politisch seien noch keine Entscheide gefällt worden. Bei der Planung der heutigen Überbauung Gyrischachen in den Sechzigerjahren sei ein Baufeld für eine Schulanlage genehmigt worden. Zudem müsse der Kindergarten durch einen Neubau ersetzt werden. Der GR ist überzeugt, dass beim Bau eines Schulhauses im Gyripark für die Quartierbevölkerung ein Mehrwert durch erweiterte Freizeitmöglichkeiten entstehe. Für die Schüler/innen würden die Schulwege kürzer und die soziale Durchmischung wäre spätestens ab der 7. Klasse garantiert.
Die Potenzialstudie hat noch keine weiteren Planungen ausgelöst. Ohne Schulstandort Gyripark müssten andere Schulstandorte, in erster Linie die Neumatt, ausgebaut werden.
Gabriela Bannwart (SP) zeigte sich nicht befriedigt mit der Antwort. Das am dichtesten besiedelte Gyri-Quartier darf seine wertvolle Grünfläche und seine räumliche Anbindung an die Stadt nicht verlieren. Das Anliegen der SP wurde von einer Petition mit 800 Unterschriften gestützt.
Rollstuhlgerechte Parkplätze (RPP) in der Stadt Burgdorf
Die Grünliberale-Fraktion stellt in einer Interpellation die Frage, wie das grosse Angebot an Arztpraxen und Einkaufsmöglichkeiten mit dem kleinen Angebot an rollstuhlgerechten Parkplätzen übereinstimmen soll.
Die Stadt verfüge über kein Gesamtverzeichnis der RPP, so der GR. Der Umfang von solchen RPP regeln die Bauvorschriften. Der GR nimmt die Interpellation zum Anlass, die öffentlich zugänglichen Parkplatzanlagen auf städtischen Grund zu überprüfen und gegebenenfalls geeignete Massnahmen ergreifen.
Beat Neuenschwander (GLP) ist nur teilweise befriedigt mit der Antwort. Er wünscht sich mehr Inklusion.
Kriterien für Schlossempfänge durch den Gemeinderat
Jonas Lauwiner (KJL im Dienst für die Burgdorfer) wünscht sich Transparenz und Gleichbehandlung bei Schlossempfängen des Gemeinderats. Es sei unklar, nach welchen Massstäben der Gemeinderat Sportgruppen mit einem Sonderempfang ehre. Diverse Sportvereine hätten Meistertitel erlangt, seien aber nicht wie die Unihockey-Frauen Wizards Bern Burgdorf geehrt worden.
Der GR beantwortete die Fragen offen und behält sich weiterhin vor, angemessen und rasch auf besondere Situationen zu reagieren.
Jonas Lauwiner, dankte für die Antwort und zeigte sich befriedigt.
Geschwindigkeitsmessgeräte - Standorte, Einnahmen
Die Stadt Burgdorf verfügt über mehrere Geschwindigkeitsmessgeräte. Jonas Lauwiner richtete dazu einige Fragen an den GR.
Dieser informierte über die rechtliche Situation: Die Stadt Burgdorf schloss gemäss Polizeigesetz des Kantons Bern im Jahr 2010 einen Ressourcenvertrag ab, der ihr die Möglichkeit gibt, Geschwindigkeitskontrollen mit sogenannten semi-stationären Radargeräten durchzuführen. Der operative Betrieb ist gesetzlich klar vorgeschrieben und erfolgt durch das bei der Kantonspolizei gemeldete und geprüfte Personal. Die Kontrollen werden an unfallkritischen Strecken und an Orten, an denen ein spezieller Schutz für den Langsamverkehr besteht, durchgeführt. Die Messgeräte wechseln ungefähr wöchentlich den Standort. Die Bussgelder fliessen in den allgemeinen Haushalt, die Aufwände werden derselben Kasse belastet.
Jonas Lauwiner zeigte sich befriedigt mit der Antwort.
Personelle Veränderungen
Tobias Kipfer (SP) ist neu im SR. Er übernimmt das Amt der zurückgetretenen Sybille Zingg Righetti. Nach ihrer Hochzeit amtet die EVP Stadträtin Beryll Schneeberger-Veraguth mit neuem Namen. Anette Vogt (SP) verabschiedete sich vom SR, um ihr politisches Amt im Grossrat anzutreten.
Text und Bild: Helen Käser

