Talk mit Peter Spuhler, Unternehmer und alt Nationalrat

  04.03.2026 Burgdorf

Am Mittwochabend, 25. Feb­ruar 2026, lud die Schweizerische Volkspartei zu einem Wahlevent in die Aebi Maschinenfabrik am Wassermattweg in Burgdorf ein. Das Thema lautete «Industriestandort Schweiz unter globalem Druck». Als prominenter Gast war der Unternehmer und alt SVP-Nationalrat Peter Spuhler eingeladen. Im Gespräch mit Moderator Mathias Müller, Grossrat aus dem Wahlkreis Biel-Seeland, äusserte er sich zu seiner Karriere als Unternehmer und Politiker sowie zu den Herausforderungen, mit denen sich die Schweizer Industrie konfrontiert sieht. Peter Spuhler ist unter anderem Präsident des Verwaltungsrates der Stadler Rail AG und Hauptaktionär der Aebi Schmidt Gruppe. Kurz vor dem Wahlanlass in Burgdorf wurde bekannt, dass beim Landwirtschaftsmaschinenhersteller Aebi Schmidt mit Sitz in Frauenfeld ein Generationenwechsel vollzogen wird. Der 66-jährige Peter Spuhler tritt aus dem Verwaltungsrat zurück und wird zum Ehrenpräsidenten ernannt. Auch der bisherige Verwaltungsratspräsident Jim Sharman gibt sein Amt ab. Als neuer Präsident ist CEO Barend Fruithof nominiert, der beim Talk in Burgdorf ebenfalls anwesend war und das Unternehmen bislang mit strategischer Weitsicht leitete. 
Grossrat Ruedi Fischer, Bätterkinden, hob in seiner Begrüssungsansprache die Bedeutung der Aebi Maschinenfabrik in Burgdorf hervor. «Was für Deutschland Fendt und die USA John Deere ist, ist für uns im Emmental die Aebi Maschinenfabrik in Burgdorf. Es gibt wohl kaum einen Schweizer Bauern, der während seiner Ausbildung oder als aktiver Landwirt nie in Kontakt mit Aebi gekommen ist. Das Traditionsunternehmen steht für Werte, die im Emmental hochgehalten werden: Zuverlässigkeit, Pflichtbewusstsein, Exaktheit und Bodenständigkeit.» Auch der Thurgauer Unternehmer Peter Spuhler verkörpere diese Werte. 

Die Aebi Maschinenfabrik – ein Traditionsunternehmen
SVP-Politiker Andreas Aebi, wohnhaft in Alchenstorf und Mitglied des Nationalrats von Dezember 2016 bis Dezember 2023, liess die Geschichte der Aebi Maschinenfabrik in seiner Rede Revue passieren. Sein Ururgrossvater Johann Ulrich Aebi, Landwirt in der Matte in Wynigen, leidenschaftlicher Tüftler und Ornithologe, rief das Unternehmen im Jahr 1883 ins Leben. «Er fürchtete sich nach der Eröffnung der Bahnlinie Zürich – Burgdorf – Bern – Lausanne vor der Einfuhr von billigem Weizen aus Osteuropa. Mittels technischer Innovationen versuchte er, der heimischen Landwirtschaft einen Vorteil zu verschaffen», führte Andreas Aebi aus. Der Durchbruch gelang Johann Ulrich Aebi mit der Konstruktion einer eigenen Mähmaschine, ab 1887 erfolgte die Serienproduktion. Im Jahr 1897 organisierte er eine Ausstellung auf der Schützenmatte in Burgdorf mit rund 500 Mähmaschinen. Diese lockte 15 000 Personen an. Sämtliche ausgestellten Maschinen wurden verkauft. Damit war der Grundstein für die Erfolgsgeschichte der Aebi Maschinenfabrik gelegt. Im Jahr 2006 verkaufte die Familie Aebi das Unternehmen an Peter Spuhler. «Einen geeigneteren Käufer hätte man sich nicht wünschen können», betonte Andreas Aebi. Ein Jahr später erfolgte unter Peter Spuhlers Ägide die strategisch entscheidende Fusion mit der deutschen Schmidt-Gruppe. Seither wuchs Aebi Schmidt von einem mittelständischen Schweizer Hersteller zu einem börsenkotierten Leader von Spezialfahrzeugen mit einem Jahresumsatz von 1,9 Milliarden US-Dollar und weltweit rund 6000 Mitarbeitenden. Am Standort in Burgdorf sind zurzeit ungefähr 200 Mitarbeitende beschäftigt. 

Unternehmerischer Werdegang
Im Talk erfuhren die zahlreichen Anwesenden vieles über den Werdegang von Peter Spuhler, der 1959 in Sevilla in Spanien geboren wurde und in Zürich aufwuchs. Nach einem betriebswirtschaftlichen Studium an der Universität St. Gallen und einem Praktikum bei der Schweizerischen Bankgesellschaft trat er 1987 bei der Stadler Fahrzeuge AG in Bussnang in die operative Führung ein. Zwei Jahre später übernahm der 30-Jährige mithilfe eines Bankenkredits die Firma, die 18 Mitarbeitende beschäftigte. «Ich war damals jung und furchtlos. Falls es schief gehen würde, stünde mir immer noch die Möglichkeit offen, nochmals neu anzufangen», waren seine Überlegungen. Der Mut zahlte sich jedoch aus: Stadler Rail entwickelte sich zu einem global tätigen Unternehmen mit über 12 000 Mitarbeitenden und einem Umsatz von mehr als 3,2 Milliarden Franken. Im April 2019 erfolgte die Börsenkotierung der Stadler Rail AG. 
Übrigens erwies sich Peter Spuhler auch als sportliches Talent: Er spielte mehrere Jahre Eishockey für GC und stand eine Saison lang für den ZSC auf dem Eis. «Nur mit einem starken Team lassen sich im Sport Erfolge erzielen. Dies lässt sich auch auf das Unternehmertum übertragen», hält er fest. 

Plädoyer für den Milizgedanken
Als prägend für seinen Werdegang und als Lebensschule beschrieb Peter Spuhler seine Dienstzeit in der Schweizer Armee. Von 1991 bis 1995 leitete er die Gebirgsgrenadierkompanie 12, von 1996 bis 2000 kommandierte er die Gebirgsfüsilierkompanie III/148. «Eine Karriere bei der Armee ermöglicht es jungen Menschen, unter schwierigen Bedingungen Führungsverantwortung zu übernehmen und lehrt einem zugleich die Wichtigkeit der Disziplin. Die Bedeutung unserer Miliz-Armee für den sozialen Kitt des Landes darf nicht unterschätzt werden: Sie vereint Menschen aus allen Bevölkerungsschichten und Landesteilen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen. Dieser Zusammenhalt, der die Schweiz stark macht, ist heute ein Stück weit verloren gegangen.» 
Über sein politisches Engagement äusserte sich Peter Spuhler wie folgt: «Ich war immer zuerst Unternehmer und erst an zweiter Stelle Politiker. Es entspricht dem Milizgedanken, dass man das Wissen und die Erfahrungen, die man während seiner beruflichen Tätigkeit sammelt – sei es als Bauer, Anwalt, Gewerkschafter oder Unternehmer – in den gesetzgeberischen Prozess und in die Kommissionsarbeit einbringt. Dies ist eine der grossen Stärken des schweizerischen politischen Systems, zu der wir stärker Sorge tragen müssen. In Deutschland fehlt dieser Praxisbezug in der Politik – man absolviert ein Studium und strebt unmittelbar danach eine Karriere als Politiker an.»

Gegenwärtige Herausforderungen
Krisen hat es auch in der Vergangenheit immer gegeben, hielt Peter Spuhler fest. Anders als früher überlagern sich heute jedoch zahlreiche verschiedene Krisenherde gleichzeitig – der Krieg in der Ukraine, der starke Franken, die Zölle der USA, die Unberechenbarkeit von US-Präsident Trump, das Wegbrechen der regelbasierten internationalen Ordnung usw. Diese Komplexität der Problemlage stellt für die Wirtschaft eine grosse Herausforderung dar: «Man muss schnell reagieren, die Entwicklungen antizipieren und bei Fehlentscheidungen gegebenenfalls den Mut zu einer Kurskorrektur aufbringen. Mut ist aber auch in der Politik gefragt.» 
Als Vorteil des Industriestandorts Schweiz erachtet der Unternehmer das hiesige duale Bildungssystem. Dieses gelte es zu bewahren und zu stärken. Im Vergleich mit der Schweiz sei das Ausbildungsniveau in den USA eine Katastrophe. 
Aufgabe der Schweizer Politik sei es, ideale Rahmenbedingungen für Unternehmen zu schaffen. Das hiesige liberale Arbeitsgesetz, eine gute Infrastruktur und eine solide Finanzpolitik seien weitere wichtige Erfolgsfaktoren. Peter Spuhler warnte aber vor immer neuen Ausgaben: «Voraussetzung für einen sozialen Staat ist ein gesunder Staat.»
Das zwischen der Schweiz und der Europäischen Union (EU) ausgehandelte Abkommenspaket, das die bilateralen Beziehungen stabilisieren und weiterentwickeln soll, beurteilt er eher skeptisch. Eine abschliessende Meinung hat er sich allerdings noch nicht gebildet. «In meiner Brust schlagen zwei Herzen: Aus wirtschaftspolitischer Optik muss man das Paket befürworten, aus staatspolitischen Gründen ist es zu verwerfen, da wir infolge der dynamischen Rechtsübernahme bewährte demokratische Instrumente preisgeben.»  
Nach der Gesprächsrunde wandten sich die bürgerlichen Regierungsratskandidierenden Pierre Alain Schnegg (SVP, bisher), Philippe Müller (FDP, bisher), Astrid Bärtschi (Die Mitte, bisher), Raphael Lanz (SVP) und Daniel Bichsel (SVP) an das Publikum. Zum Abschluss stellten sich die anwesenden Grossratskandidierenden vor.

Text und Bild: Markus Hofer


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