Die FDP Kirchberg avanciert neu zur wählerstärksten Partei

| Mi, 02. Dez. 2020

KIRCHBERG: Die FDP Kirchberg erobert einen zweiten Sitz im Gemeinderat und rechnet sich auch gute Chancen für das Präsidium aus. red

Am vergangenen Sonntag wurde in Kirch­berg mit einer Stimmbeteiligung von 44,05 Prozent die Zusammensetzung des Gemeinderates gewählt. Die SVP, bis anhin stärkste Partei in Kirchberg und in der Amtsperiode 2016–2020 noch mit drei Personen im Gemeinderat (inklusive Präsidium) vertreten, konnte ihr Ziel, zwei Sitze zu verteidigen, nicht erreichen. Der Gemeinderat teilt sich nun wie folgt auf: SVP 1 Sitz, FDP 2 Sitze, SP 2 Sitze und BDP 1 Sitz. «Es ist wie bei einem Hockey- oder Fussballspiel», kommentiert Jörg Baumann, Co-Präsident der SVP Kirchberg-Bütikofen, das Resultat: «Manchmal verliert und manchmal gewinnt man.» So wurde von der SVP nur Käthi Oswald erneut in den Gemeinderat gewählt. Gründe für das ernüchternde Ergebnis sieht Baumann unter anderem darin, dass die Kandidierenden der anderen Parteien in Kirchberg aufgewachsen und bereits gut vernetzt seien. «So etwas ist für die Gemeindepolitik sehr wichtig», weiss Baumann. Man wolle auch bei der SVP Kirchberg-Bütikofen «einen Kern bilden, der konstant bleibt und bekannt wird».
Profitiert hat bei den Wahlen besonders die FDP, welche erst 2016 in die Kirchberger Exekutive zurückgekehrt ist und nun einen zweiten Sitz verbuchen konnte. «Wir sind mit diesem Resultat zufrieden», freut sich Andreas Wyss, Präsident der FDP Emmental. «Ich sehe das Ergebnis als Belohnung für die gute Arbeit, welche wir in den letzten vier Jahren im Gemeinderat leisteten. Wir haben gezeigt, dass wir nicht nur reden, sondern auch etwas bewirken.» Bei den Gemeindewahlen 2016 hatte die FDP den zweiten Sitz nur knapp verpasst. Andreas Wyss erreichte als Kandidat für das Gemeinderatspräsidium von den drei Kandidaten das beste Ergebnis. Im zweiten Wahlgang vom 13. Dezember 2020 fällt die definitive Entscheidung. Wyss, der gegen Walter Bütikofer (BDP) antritt, ist zuversichtlich: «Die Ausgangslage ist gut. Ich bin optimistisch, dass wir auch das Präsidium noch erreichen werden.» Die grösste Herausforderung sieht Wyss in der kurzfristigen Mobilisierung der Wähler/innen in den kommenden zwei Wochen: «Darin liegt der Schlüssel zum Gemeinderatspräsidium.»
Leichte Enttäuschung herrscht bei Marc Dummermuth, Präsident der SP unteres Emmental / Sektion Kirchberg. Die Wahlresultate betrachtet er mit einem lachenenden und einem weinenden Auge. «Ich bin zufrieden mit dem Resultat der SP Kirchberg, aber enttäuscht über mein persönliches Abschneiden», äussert sich Dummermuth. Er kandidierte ebenfalls für das Gemeinderatspräsidium, landete aber hinter Andreas Wyss (FDP) und Werner Bütikofer (BDP) und erreichte somit die Stichwahl nicht. Bereits am Wahlabend teilt er der Zeitung «D’REGION» mit: «Die SP Kirchberg und ich werden uns nun hinter Walter Bütikofer stellen. Wir sind der Meinung, dass er mit seiner langjährigen Erfahrung im Gemeinderat ein guter Kandidat für das Amt ist.»
Für Ivo Mössinger, Präsident der BDP Kirchberg, ist mit der Verteidigung des Pateisitzes im Gemeinderat ein Ziel erreicht. «Wir sind stolz darauf», urteilt Mössinger. Er sieht der Stichwahl für das Gemeinderatspräsidium positiv entgegen: «Nach der Devise ‹Jetzt erst recht› stehen wir auch im zweiten Wahlgang voll hinter Walter Bütikofer.» Auch Bütikofer selbst ist mit dem Resultat sehr zufrieden: «Wir haben das bestmögliche Ergebnis rausgeholt.» Im zweiten Wahlgang sei die Ausgangslage nun wieder offen, weiss der erfahrene Politiker. Weiter scherzt Bütikofer: «Besonders für eine Partei, die es gar nicht mehr gibt, ist das ein super Resultat.» Am Vortag der Wahl wurde nämlich bekannt, dass sich die BDP Schweiz mit der CVP zur Partei «Die Mitte» zusammenschliesst. Wie die BDP Kirchberg darauf reagieren wird, sei noch offen, wie Mössinger und Bütikofer erklären. So habe man sich vorerst voll auf die Gemeindewahlen konzentriert, das weitere Vorgehen werde intern abgeklärt und entschieden. «Unser Hauptthema ist das Dorf», so Bütikofer.
GLP und EVP nahmen gemeinsam auf einer Liste an den Wahlen teil, konnten sich aber keinen Sitz im Gemeinderat erkämpfen. «Wir sind enttäuscht und haben uns mehr erhofft», kommentiert Bremgartner, Präsident der EVP. «Es fehlte nur wenig und die Verteilung der Restmandate wäre zu unseren Gunsten erfolgt.» Aus der Listenverbindung mit der FDP zieht er aber eine positive Bilanz. «Wir haben auch Freude am Ergebnis von Andreas Wyss und hoffen, dass er das Präsidium noch holen wird.» Ebenfalls wurden Bildungs- und Baukommission vom Stimmvolk gewählt.

David Kocher

Gewählt wurden: Käthi Oswald (SVP), bisher, 1175 Stimmen; Daniel Schoder (FDP), bisher, 1194 Stimmen; Andreas Wyss, (FDP), neu, 858 Stimmen; Vanessa Aberhardt-Capelli (SP), bisher, 1129 Stimmen; Simona Blaser, (SP), neu, 775 Stimmen; Walter Bütikofer (BDP), neu, 601 Stimmen. Wahl zum Gemeinderatspräsidium: Andreas Wyss (FDP) 632 Stimmen, Walter Bütikofer (BDP) 567 Stimmen und Marc Dummermuth (SP) 509 Stimmen. Am 13. Dezember 2020 findet ein zweiter Wahlgang zwischen Andreas Wyss (FDP) und Walter Bütikofer (BDP) statt.

 

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