Versorgungslücke der UPD geschlossen
27.05.2026 Burgdorf, Aktuell, Jugend, Burgdorf, Region, Bildung / SchuleAm vergangenen Freitag wurde an der Kirchbergstrasse 99 in Burgdorf die neue Tagesklinik für Kinder und Jugendliche der Universitären Psychiatrischen Dienste (UPD) eröffnet. Mit dem neuen Angebot schliessen die UPD eine wichtige Versorgungslücke in der Verwaltungsregion Emmental-Oberaargau.
Die Räumlichkeiten im Vita Campus konnten Anfang April bezogen werden. Bereits am 13. Mai 2026 nahm die Tagesklinik ihren Betrieb für erste Patientinnen und Patienten auf, der Vollbetrieb soll im August folgen.
Die neue Tagesklinik ist Teil der übergeordneten Strategie der UPD. Stationäre Angebote bleiben unter anderem aus personellen Gründen zentral in Bern angesiedelt, während regionale Aussenstellen als «Spokes» ambulante Angebote und Tageskliniken bereitstellen. Dadurch sollen niederschwellige Interventionen ermöglicht und die Wege für Betroffene möglichst kurz gehalten werden.
In der Region Emmental-Oberaargau wurde lange nach einem geeigneten Standort gesucht. Mit dem Vita Campus konnte eine passsende Lösung gefunden werden. Die Gebäude wurden vor rund drei Jahren erstellt und waren bereits teilweise für eine Nutzung im Gesundheitswesen vorgesehen. Die neue Tagesklinik ergänzt die bestehenden Angebote in Burgdorf. Die räumliche Nähe erleichtert die Zusammenarbeit der verschiedenen Fachbereiche im Alltag erheblich.
Wie in allen Tageskliniken der UPD gehört auch in Burgdorf eine Klinikschule zum Angebot. Damit soll während der Behandlung der psychiatrischen Erkrankungen der Kinder und Jugendlichen auch deren Schulfähigkeit erhalten werden.
Das Gebäude beherbergt alle Angebote der UPD in der Region Emmental-Oberaargau unter einem Dach: die ambulanten Angebote sowie die aufsuchende Krisenintervention der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienste (KJPD), die neue Tagesklinik und Angebote des Zentrums für Psychische Rehabilitation (ZPR) für Erwachsene. Letztere beinhalten das aufsuchende Angebot «WohnAutonom» sowie das «Job Coach Placement».
Die Tagesklinik bietet verschiedene Räumlichkeiten für Therapie, Betreuung und Schule. Dazu gehören ein Spielzimmer für jüngere Kinder, ein Aufenthaltsraum mit Küche, ein Ruheraum als Rückzugsmöglichkeit sowie ein Jugendzimmer als Treffpunkt für Pausen und die Mittagszeit. Hinzu kommen zwei Schulzimmer mit Nebenräumen, mehrere Therapie- und Spieltherapieräume, ein Werkraum sowie ein medizinisches Behandlungszimmer.
Umfasssende Betreuung
Derzeit werden sechs Kinder und Jugendliche in der Tagesklinik betreut. Ab August soll das Angebot auf zehn Plätze erweitert werden. Die Patientinnen und Patienten verbringen ihre Wochentage jeweils von 8.30 Uhr bis 16.00 Uhr in der Klinik. Der Tagesablauf beginnt stets mit einer gemeinsamen Morgenrunde. Diese dient dazu, in Ruhe anzukommen und den aktuellen Gemütszustand der Kinder und Jugendlichen einzuschätzen, damit die Betreuung und Ressourcenplanung im Verlauf des Tages angepasst werden können. Die Tagesklinik verbindet die Bereiche Pflege, Pädagogik, Schule und Therapie.
Aufgenommen werden Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 17 Jahren deren psychiatrische Erkrankungen ambulant nicht mehr ausreichend behandelt werden können – etwa weil Schule oder Ausbildung nicht mehr möglich sind. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt rund 14 Wochen, wobei die ersten zwei bis drei Wochen vor allem der Diagnostik dienen.
Die behandelten Krankheitsbilder sind vielfältig und reichen von Angst-, Zwangs- und depressiven Störungen bis hin zu Persönlichkeits- und Traumafolgestörungen. Die Zuweisung der Patientinnen und Patienten erfolgt über die UPD in Bern.
Ein wichtiger Bestandteil des Konzepts ist die Einbindung der Familien. So findet jeweils am Mittwochmorgen eine Multifamilientherapie statt, an der mindestens ein Elternteil teilnimmt. Dabei sollen familiäre Dynamiken erkannt und die Kommunikation innerhalb der Familien gestärkt werden. Ziel ist es, das gesamte Umfeld der Kinder und Jugendlichen in die Behandlung einzubeziehen und die Familien bestmöglich zu unterstützen.
Während ihres Aufenthalts werden die Kinder und Jugendlichen von einem konstanten Bezugsteam begleitet. Dieses besteht aus einer Lehrperson, einer therapeutischen Fachperson sowie Mitarbeitenden aus den Bereichen Pädagogik und Pflege.
Mit der neuen Tagesklinik können Kinder und Jugendliche aus dem Emmental und Oberaargau künftig wohnortsnah diagnostiziert und behandelt werden, womit eine wichtige Versorgungslücke in der Region geschlossen wurde.
Text und Bilder: Piera Knuchel









